Benjamín Medrano Quezada ist tot. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Fresnillo im Bundesstaat Zacatecas wurde am vergangenen Dienstag in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco erschossen, als er eine Eisdiele verließ. Zwei Männer auf einem Motorrad näherten sich ihm und gaben aus kurzer Distanz mehrere Schüsse auf den 59-Jährigen ab.
Da Medrano keine Ausweisdokumente bei sich hatte, blieb sein Leichnam zunächst zwei Tage lang unidentifiziert. Erst am Donnerstagabend bestätigten Angehörige offiziell seine Identität. Die Staatsanwaltschaft in Jalisco ermittelt, hat bisher aber weder ein mögliches Tatmotiv noch Verdächtige bekanntgegeben.
Politischer Pionier mit ungewöhnlichem Lebensweg
Medrano galt als politische Ausnahmeerscheinung. Er wurde 2013 als erster offen homosexueller Bürgermeister Mexikos gewählt und leitete bis 2015 die Stadt Fresnillo. Zuvor saß er für die damalige Regierungspartei PRI zunächst im Parlament des Bundesstaates Zacatecas und später auch im mexikanischen Bundesparlament. Parallel zu seiner politischen Laufbahn absolvierte er ein Masterstudium im Verfassungsrecht.
Darüber hinaus war er Unternehmer, organisierte große Volksfeste und trat als Schlagersänger auf. Die Medien beschrieben ihn als markante Persönlichkeit, die häufig weiße Hemden, Jeans, Cowboystiefel und einen Hut trug. Seine Wahl zum Bürgermeister wurde als Meilenstein für die Sichtbarkeit queerer Menschen in der Politik wahrgenommen.
Obwohl er offen zu seiner Homosexualität stand, sprach er sich gegen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare sowie gegen aus seiner Sicht zu auffällige Pride-Paraden aus. Dies ist wohl auf das konservative Umfeld in Zacatecas zurückzuführen, das stark von katholischen Traditionen und einer ausgeprägten Machismo-Kultur geprägt ist.
Ermittlungen laufen weiter
Nach Bekanntwerden seiner Identität reagierten zahlreiche Wegbegleiter mit Bestürzung. Die Stadtverwaltung von Fresnillo veröffentlichte eine Kondolenzbotschaft. Darin heißt es: „Wir sprechen seiner Familie und seinen Freunden unser aufrichtiges Beileid aus und wünschen ihnen in dieser schweren Zeit viel Kraft. Ruhe in Frieden.“
In den vergangenen Jahren war Medrano mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Seine Familie bezeichnete diese Anschuldigungen als politisch motivierte Rufmordkampagne. Zeitweise hielt sich der ehemalige Bürgermeister verborgen und lebte nach Angaben seines Bruders Juan Carlos Medrano Quezada auch in den USA.
Dieser erklärte, sein Bruder habe erst kurz vor seinem Tod eine gerichtliche Entscheidung zu seinen Gunsten erreicht und sich deshalb wieder verstärkt in der Öffentlichkeit gezeigt. Er sprach von „politischer Verfolgung“ und forderte eine vollständige Aufklärung des Mordes.
Fortschrittliche Gesetze treffen auf gesellschaftliche Gewalt
Fresnillo zählt seit Jahren zu den Städten Mexikos mit der höchsten wahrgenommenen Unsicherheit. Die Region gilt zudem als wichtiger Korridor für den Drogenhandel und ist stark von der Gewalt rivalisierender Kartelle betroffen. Ob ein Zusammenhang zwischen dieser Sicherheitslage und dem Mord an Medrano besteht, ist derzeit völlig offen. Die Ermittlungsbehörden betonen, dass sämtliche Spuren geprüft werden.
Der Fall lenkt erneut den Blick auf die widersprüchliche Situation queerer Menschen in Mexiko. Das Land verfügt über vergleichsweise fortschrittliche Gesetze. Seit 2022 ist die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit möglich, und bereits seit 2001 verbietet die mexikanische Verfassung ausdrücklich Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Zudem haben zahlreiche Bundesstaaten Regelungen zur rechtlichen Selbstbestimmung von trans Personen eingeführt.
Gleichzeitig berichten Menschenrechts- und LGBTQ+-Organisationen weiterhin von massiver Gewalt. Nach Brasilien verzeichnet Mexiko die zweithöchste Zahl tödlicher Angriffe auf queere Menschen in Lateinamerika. Besonders trans Frauen sind überdurchschnittlich häufig von tödlicher Gewalt betroffen. Die Behörden in Jalisco setzen ihre Ermittlungen zum Tod von Benjamín Medrano Quezada unterdessen fort.

