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„Unser Mut ist stärker als der Hass“: Bratislava feiert die 16. Pride

Unter dem Motto „Unser Mut ist stärker als der Hass“ zog die queere Community am Samstag durch Bratislava. Unterstützung kam dabei auch aus Österreich.

Mehr als 10.000 Menschen nahmen am Samstag an der 16. Bratislava Pride teil. Die Parade zog vom Freiheitsplatz vor dem Sitz der slowakischen Regierung durch die Innenstadt und kehrte anschließend zu einer Abschlusskundgebung mit Konzerten zurück. Angesichts zunehmender politischer Angriffe auf die Rechte queerer Menschen war die große Beteiligung ein deutliches Lebenszeichen einer unter Druck stehenden Community.

Solidarität aus Österreich

Unter den Teilnehmenden befanden sich auch mehrere Gruppen aus Österreich. Die Initiative Common Cause hatte eine gemeinsame Zugfahrt von Wien nach Bratislava organisiert. Unterstützt wurde die Pride in der slowakischen Hauptstadt außerdem unter anderem von den Austrian Bears, der LMC Vienna und dem Verein H.FF.K.

Das Motto lautete in diesem Jahr „Unser Mut ist stärker als der Hass“. Aneta Andraschcikova, Organisationssprecherin, erklärte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender STVR: „In der Slowakei als LGBT+-Person zu leben, verlangt noch immer eine große Dosis Entschlossenheit.“ Neben Regenbogenfahnen waren auf der Parade zahlreiche Transparente zu sehen, die vor weiteren Rückschritten bei der Gleichstellung warnten.

Sichtbarkeit in einer polarisierten Gesellschaft

Silvia Porubänová, die Geschäftsführerin des Slowakischen Nationalen Menschenrechtszentrums, betonte ebenfalls die Bedeutung von Sichtbarkeit. „Das Schlüsselwort des diesjährigen Pride ist Mut. Mut, sichtbar zu sein, wir selbst zu sein und für unsere Rechte einzustehen. Die meisten von uns haben das Gefühl, dass wir in schwierigen Zeiten leben und dass unsere Gesellschaft immer stärker polarisiert ist“, sagte sie auf der Bühne.

Die Sorge vor einer Verschlechterung der Lage hat einen konkreten politischen Hintergrund. Die Regierungsmehrheit aus Linksnationalen und Rechtspopulisten hat mit Unterstützung konservativer Oppositionsabgeordneter mehrere gesetzliche und verfassungsrechtliche Änderungen durchgesetzt, die eine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zusätzlich erschweren. So ist die Ehe in der slowakischen Verfassung seit 2014 ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert und auch gemeinsame Adoptionen bleiben gleichgeschlechtlichen Paaren verwehrt.

Fico will ausländische Ehen nicht anerkennen

Der linksnationale Ministerpräsident Robert Fico hat darüber hinaus angekündigt, die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen, die rechtsgültig in einem anderen Land geschlossen wurden, verhindern zu wollen. Dafür nimmt seine Regierung auch einen Konflikt mit der Europäischen Union in Kauf. LGBTIQ+-Organisationen und Menschenrechtsgruppen sehen dies als weiteren Schritt zur institutionellen Ausgrenzung queerer Menschen.

Eine zentrale Station der Parade war erneut die ehemalige queere Bar Tepláreň. Vor dem Lokal hatte im Oktober 2022 ein rechtsextremer Attentäter zwei queere Menschen erschossen. Die Teilnehmenden erinnerten dort an die Opfer. Der Anschlag gilt bis heute als tiefer Einschnitt für die slowakische LGBTIQ+-Community und verlieh dem diesjährigen Aufruf zu Mut und Sichtbarkeit zusätzliche Bedeutung.

Polizei hielt Route bis zuletzt geheim

Aus Sicherheitsgründen hatten die Veranstalter:innen weder die genaue Route noch das vollständige Programm auf dem Freiheitsplatz vorab veröffentlicht. Staats- und Stadtpolizei waren mit zahlreichen Kräften im Einsatz und sperrten Teile des Verkehrs. Die Pride verlief ohne größere Zwischenfälle.

Parallel dazu veranstalteten christlich-konservative und rechtsextreme Organisationen erneut den Marsch „Hrdí na rodinu“ (zu Deutsch: „Stolz auf die Familie“). Unter dem Motto „Die Ehe schützt Kinder“ demonstrierten einige Hundert Menschen für ein Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern. Die wesentlich größere Beteiligung an der Bratislava Pride zeigte jedoch, dass sich viele queere Menschen trotz des politischen Drucks nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängen lassen wollen.

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