Auf Initiative des FLINTA-Chors „D-Dur Dykes*“ hat sich die Berliner Community am Tag nach dem Anschlag auf den CSD Berlin zu einem gemeinsamen Gedenken getroffen. Treffpunkt war um 14 Uhr auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Die Idee für diese Veranstaltung sei erst am Samstagabend spontan entstanden, so die Organisator:innen.
Teilweise musste der Pariser Platz für neue Besucher gesperrt werden
Insgesamt haben sich den Angaben der Veranstalter:innen zufolge zwischen 8.000 und 10.000 Menschen versammelt, um gemeinsam zu trauern – der Pariser Platz musste sogar für neu dazukommende Teilnehmende gesperrt werden. „Ich wünschte, ihr könntet sehen, wie viele wir hier sind”, sagte Theresa Zanon von den „D-Dur Dykes*”, als sie die Trauerkundgebung eröffnete.
Vor dem Brandenburger Tor wurden Transparente bemalt, Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Zwischen den Regenbogenflaggen trugen einige Menschen Schwarz, weinten und umarmten sich. Manche hatten Blumen mitgebracht. Es gab auch eine Schweigeminute. Unter den Teilnehmenden waren der Berliner CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und der offen schwule CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers. Sichtlich betroffen standen sie mit vielen anderen still auf dem Pariser Platz.
Der Anschlag war ein Angriff auf die gesamte Community
Zanon betont, der Anschlag sei ein Angriff auf die gesamte queere Community gewesen. Allerdings seien Wut und Gemeinschaft die stärksten Waffen gegen Hass. Sie erinnerte an frühere Generationen queerer Menschen und forderte dazu auf, deren Kämpfe fortzuführen – sei es mit einem Sportverein, einer Bastelgruppe oder einem großen politischen Projekt. Gemeinschaft entstehe nicht von allein, sondern müsse aktiv geschaffen werden. „Zusammensein ist die größte Revolution“, sagt sie.
Zum Abschluss erinnert sie daran, dass Trauer für jeden Menschen anders aussehe, und bittet die Anwesenden, respektvoll miteinander umzugehen. Sie dankt den vielen Helferinnen und Helfern, die die Kundgebung innerhalb weniger Stunden organisiert haben. Das zeige, dass die Community füreinander einstehe – und genau das könne ihr niemand nehmen.
Barbie Breakout warnt die Community vor Spaltung
In ihrer Rede erinnerte die Aktivistin und Dragqueen Barbie Breakout an ähnliche Angriffe auf die Community – in Orlando, Oslo oder Bratislava. Auch sie ruft zum Zusammenhalt auf. Die Stärke der queeren Community habe immer darin gelegen, sich zu organisieren und Krisen gemeinsam zu bewältigen. Anstatt sich in internen Konflikten aufzureiben, müsse der Blick auf das Gemeinsame gerichtet werden.
Breakout warnte in ihrer Rede davor, den Anschlag für pauschale Ressentiments gegen Muslim*innen zu instrumentalisieren. Ein islamistisches Motiv müsse zwar benannt werden, daraus dürfe jedoch keine Islamfeindlichkeit entstehen: „Lasst euch nicht von den Taten einer extremen Ideologie in die Arme einer anderen treiben.“ Sie ruft dazu auf, Trauer in politisches Handeln zu verwandeln. Die Feinde der queeren Community stünden „da draußen und nicht unter uns“.
In Wien gibt es am Mittwoch eine Mahnwache vor der deutschen Botschaft
Später war in der Marienkirche an der Karl-Liebknecht-Straße ein Trauergottesdienst geplant. Dabei hat Bischof Christian Stäblein eine kurze Ansprache gehalten. Im Anschluss gab es einen Trauermarsch zum Brandenburger Tor stattfinden, bei dem das offizielle Berlin um die Opfer getrauert hat.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat an dem Gottesdienst teilgenommen. Zuvor wandte er sich an die queere Community: „Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Diese Taten haben nur einen Zweck. Sie wollen unsere Gesellschaft spalten“, sagte Merz in einer Stellungnahme. „Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten in unserem Land zusammen.“
Wer in Wien seine Anteilnahme und Solidarität zeigen möchte, hat dazu am Mittwoch um 18:00 Uhr vor der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Metternichgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk Gelegenheit. Gemeindebezirk tun. Die Vienna Pride organisiert eine Mahnwache.

