Die Repressalien gegen queere Menschen in Russland gehen weiter: In der 560.000 Einwohner zählenden Stadt Orenburg an der Grenze zwischen Europa und Asien wurden die Verwalterin und der künstlerische der queeren Bar „Pose“ wegen „Extremismus“ in Untersuchungshaft genommen.
Rechte Nationalisten riefen die Polizei und „halfen“ der Polizei auch gleich
Ihr Delikt: Wie lokale Medien berichten, haben sie am 12. März eine Drag-Show in der Bar veranstaltet. Noch während der Veranstaltung kam es zu einer Razzia, zu der rechte Nationalisten die Polizei gerufen hatten. Die Rechten „unterstützten“ die Polizei dann gleich bei der Razzia. Sie filmten die Aktion auch und stellten das Video noch am selben Tag online.
Der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge zwangen Polizist:innen und Rechte Personal und Gäste der Bar, sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen. Die Drag Queens, die aufgetreten waren, mussten halbnackt bleiben, ihre Outfits und Perücken wurden beschlagnahmt.
Gegen die beiden Festgenommenen wurde Untersuchungshaft verhängt
Wie das zuständige Gericht in Orenburg am Mittwoch mitgeteilt hat, müssen die beiden zumindest bis Mitte Mai in Untersuchungshaft bleiben. Diese wird in Russland aber normalerweise bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens immer wieder verlängert.
Auch die Wohnungen der beiden Festgenommenen wurden Medienberichten zufolge durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Verdächtigen um „Menschen mit nicht-traditioneller sexueller Orientierung“, die „Ansichten und Aktivitäten der in Russland verbotenen internationalen LGBT-Bewegung unterstützen“.
Für Moskau ist die „internationale LGBT-Organisation“ eine extremistische Gruppe
Vor vier Monaten hatte das Oberste Gericht in Moskau die nicht näher definierte „internationale LGBT-Bewegung“ als extremistische Gruppe verboten. Seitdem steht deren „Unterstützung“ unter Strafe. Den beiden Festgenommenen drohen deshalb bei einer Verurteilung wegen des „Organisieren extremistischer Aktivitäten“ bis zu zehn Jahre Haft.
Die Lage der LGBTI-Community in Russland hat sich seit der Entscheidung des Obersten Gerichts in Moskau noch weiter verschärft. So kam es kurz nach der Entscheidung zu Razzien in queeren Clubs. Im Februar wurde eine Frau in Nischni Nowgorod östlich von Moskau zu fünf Tagen Haft verurteilt, weil sie einen Regenbogen-Ohrring trug.

