In Istanbul sind am Sonntagnachmittag trotz eines Verbots Hunderte queere Menschen und ihre Unterstützer:innen bei der Pride für die Rechte sexueller Minderheiten auf die Straßen der türkischen Großstadt gegangen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, gab es dieses Jahr keine gewaltsamen Zusammenstöße mit der Polizei – dafür wieder zahlreiche Festnahmen.
Der Gouverneur hatte die Pride verboten und mögliche Veranstaltungsorte gesperrt
Wie auch im Vorjahr hatte der von der nationalen Regierung ernannte Gouverneur, der unter anderem für Polizei und die öffentliche Ordnung zuständig ist, die Istanbul Pride verbieten lassen. So ließ er etwa mit einem Verweis auf Protest-Ankündigungen „illegaler Gruppen“ zentrale Orte wie den Taksim-Platz auf der europäischen Seite Istanbuls großräumig absperren.
Doch dieses Jahr hatten die Veranstalter:innen die Strategie geändert und auf dezentrale Treffen gesetzt. So mieden die Demonstrierenden den Taksim-Platz. Stattdessen marschierten sie mit Regenbogen- und Transflaggen rund zehn Minuten über die Bagdad-Straße, einer beliebten Einkaufsstraße im asiatischen Teil der Metropole.
Stattdessen tauchten die Demonstrierenden auf einer zentralen Straße auf
Dabei verlasen sie die offizielle Botschaft und Pressemitteilung zum 22. „Marsch des Stolzes“ und skandierten Sprüche wie „You will never walk alone“ und „Morde an trans Personen sind politisch“, bevor sie die Straße vor dem Eintreffen der Polizei räumten.
Danach zerstreuten sie sich in alle Richtungen. „Eure Tausenden Polizisten, Hubschrauber und Verbote werden uns nicht aufhalten. Jede Straße in dieser Stadt gehört uns“, erklärten die Organisator:innen des Marschs. Ersten Meldungen zufolge nahm die Polizei in Seitenstraßen mindestens 15 Personen fest.
Noch vor zehn Jahren feierten 100.000 Menschen in Istanbul eine fröhliche Pride
Nach einer Aufsehen erregenden Pride im Jahr 2014 mit mehr als 100.000 Teilnehmenden hatten die türkischen Behörden in den darauffolgenden Jahren die Veranstaltung immer verboten – offiziell zumeist aus Sicherheitsgründen. Gegen Demonstrierende, die sich trotzdem trafen, wurde mit Gummigeschossen, Tränengas oder Wasserwerfern vorgegangen.
Auch wenn Homosexualität in der Türkei nicht strafbar ist, ist queeres Leben immer wieder im Fokus der konservativen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. So erklärte der Präsident während des Wahlkampfs im letzten Jahr, es sei wichtig, Familien „vor Perversionen wie LGBT zu schützen“

