Von Dezember 2011 bis Oktober 2014 war Elio Di Rupo der erste offen schwule Ministerpräsident Belgiens. Nun hat sich der Sozialdemokrat wieder zu Wort gemeldet. Grund dafür ist ein Posting des stellvertretenden Ministerpräsidenten David Clarinval, der auf der Kurznachrichten-Plattform X (ehemals Twitter) ein transfeindliches Buch beworben hat.
Der liberale Vize-Ministerpräsident empfiehlt ein Buch, das unter Frankreichs Rechten Kultstatus erreicht hat
Clarinval, Mitglied der liberalen Partei Mouvement Réformateur (MR), hatte das Buch „Transmania: Untersuchung der Exzesse der Transgender-Ideologie“ von Marguerite Stern und Dora Moutot gelobt. Das ursprünglich in Frankreich erschienene Buch ist voller Mutmaßungen und Verschwörungstheorien.
So wird unter anderem behauptet, trans Menschen seien nicht real und es gebe auch Verbindung mit Kindesmissbrauch. Seit seiner Veröffentlichung im April 2023 hat das Buch trotz dieser kruden Aussagen unter der extremen Rechten in Frankreich Kultstatus erreicht.
Ex-Regierungschef Di Rupo ruft in einem Offenen Brief zum Schutz der Menschenrechte auf
Das will Di Rupo, heute Abgeordneter im Europaparlament, nicht so stehen lassen. Er fordert Konservative und Liberale in einem Offenen Brief auf, sich darauf zu einigen, die Rechte aller Menschen zu schützen. Darüber berichtet unter anderem die belgische Zeitung Le Soir .
„In diesem reaktionären Klima ist es wichtig zu betonen, dass die Freiheiten, die Transgender-Personen gewährt werden, die Freiheiten anderer Bürger in keiner Weise einschränken. Die Ausweitung von Rechten und Freiheiten auf einige schränkt niemals die Rechte und Freiheiten anderer ein“, so Di Rupo.
Di Rupo spricht Klartext: „Würde, Freiheit und Respekt des Menschen verteidigen“
„Schließlich ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Freiheiten, die wir heute genießen, das Ergebnis harter Kämpfe, unzähliger politischer Auseinandersetzungen und unermesslicher menschlicher Tragödien sind. Es sind in der Tat heldenhafte Kämpfe, die oft von großem Leid und Opfern geprägt sind und die die freie Welt, in der wir im Westen leben, geformt haben“, betont der ehemalige Regierungschef.
Und er setzt fort: „Ob es sich um den Kampf für Bürgerrechte in den Vereinigten Staaten, für die Gleichstellung der Geschlechter, für die Rechte von LGBTQIA+-Menschen oder für die Meinungsfreiheit handelt, sie alle wurden von demselben unerschütterlichen Willen angetrieben: Dem, die Würde, Freiheit und den Respekt des Menschen in all seiner Komplexität zu verteidigen.“
Clarinval scheint sich unterdessen keiner Schuld bewusst zu sein. Er verteidigte seine Empfehlung gegenüber der Brussels Times . „Dieses Buch gibt einen umfassenden Einblick in die Transgender-Thematik“, ist der stellvertretende Regierungschef Belgiens noch immer überzeugt.

