Der Film „Liuben“ von Venci Kostov ist ein Pionierfilm für das bulgarische Kino: Die bulgarisch-spanische Koproduktion ist der erste offen queere Film des Landes.
In einem bulgarischen Dorf bahnt sich etwas Spezielles an
Die Handlung dreht sich um Victor, der nach vielen Jahren in Madrid in seine bulgarische Heimat zurückkehrt, um an der Beerdigung seines Großvaters teilzunehmen. Während seines Aufenthalts in einem kleinen, von traditionellen Normen geprägten Dorf entwickelt sich eine unerwartete Liebe zwischen ihm und dem 18-jährigen Roma Liuben.
Die Besonderheit des Films liegt in der Gegensätzlichkeit der Welten, aus denen die beiden Hauptfiguren stammen. Victor, der im liberaleren Madrid lebt, wird in das ländliche Bulgarien zurückgeworfen, wo enge soziale Konventionen und Vorurteile tief verwurzelt sind.
Liuben hingegen ist in einer komplexen Lebenssituation gefangen: Seine Freundin ist schwanger und er ist bemüht, einen Job zu finden, um seine Zukunft zu sichern.
Die Geschichte, die erzählt wird, ist auch jene sexueller Minderheiten in Bulgarien
Die sich entwickelnde Beziehung der beiden steht im Mittelpunkt der Handlung und beleuchtet die Herausforderungen, denen sich Angehörige sexueller Minderheiten in konservativen Gesellschaften wie Bulgarien noch immer stellen müssen.
Regisseur Kostov gelingt es, eine intime und oft melancholische Atmosphäre zu schaffen, die das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichen Erwartungen spürbar macht. Die Liebesgeschichte zwischen Victor und Liuben entfaltet sich in einem von Isolation und gesellschaftlichem Druck geprägten Umfeld, was die emotionale Intensität des Films verstärkt.
Besonders die Leistung der beiden Hauptdarsteller sticht hervor
Besonders hervorzuheben ist das Spiel der beiden Hauptdarsteller Dimitar Nikolov und Bozhidar Asenov. Ihnen gelingt es, die Unsicherheit und Zerrissenheit ihrer Figuren eindrucksvoll zu vermitteln.
Trotz des starken Grundthemas bleibt der Film jedoch in einigen Bereichen etwas unausgegoren. Die Entwicklung der Charaktere, vor allem die von Victor, wird nicht ausreichend vertieft. Man erfährt zwar von seinen Beziehungsproblemen in Madrid, aber das ganze Ausmaß seiner inneren Konflikte bleibt unklar. Auch das Ende wirkt etwas überhastet und lässt einige Fragen offen.
Insgesamt ist „Liuben“ ein mutiger und wichtiger Film, nicht nur für die bulgarische Filmgeschichte. Mit seiner sensiblen Erzählweise und dem Fokus auf das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne ist er ein wichtiger Beitrag, auch wenn es erzählerische Schwächen gibt.


