Nach einer Razzia in einem Nachtclub in der russischen Stadt Tula im Februar vergangenen Jahres sind nun sieben Männer zu Geldstrafen verurteilt worden, weil sie laut Polizei „Interesse an nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen“ geweckt haben sollen.
Ein Barkeeper konnte der Strafe entgehen, weil er ein Goth ist
Videos der Razzia zeigen, wie schwer bewaffnete Polizisten in militärähnlicher Ausrüstung mindestens acht Personen festnehmen. Die Männer wurden später vor Gericht gestellt. Sieben von ihnen wurden zu Geldstrafen verurteilt, ein achter Festgenommener, ein Barkeeper, konnte einer Strafe entgehen, indem er angab, ein Goth zu sein.
Laut Berichten unabhängiger Medien wie Verstka und internationaler Quellen dokumentierte die Polizei detailliert, warum die Männer ins Visier der Behörden geraten waren.
„Unvereinbar mit traditionellem Männerbild“
So beschrieben sie, dass einer der Männer schwarze Kreuze aus Klebeband über seinen Brustwarzen und ein Frauenkorsett getragen habe. Ein anderer sei mit rosafarbenen Socken, einem offenen Kimono und orangefarbenen Haaren aufgefallen, während ein weiterer ein kurzes Oberteil, eine schwarze Lederhose und Netzstrumpfhosen getragen habe.
Das Gericht argumentierte, dass die Kleidung und das Aussehen der Männer „nicht mit dem Bild eines Mannes mit traditioneller sexueller Orientierung vereinbar“ seien. Die Geldstrafen beliefen sich auf jeweils rund 420 Euro.
Verschärfung von Anti-LGBT-Gesetzen
Die Urteile basieren auf einem russischen Gesetz aus dem Jahr 2013, das „LGBT-Propaganda“ verbietet. Ursprünglich sollte es die Verbreitung von homosexuellenfreundlichen Inhalten, die sich an Kinder und Jugendliche richten, unter Strafe stellen. Im November 2022 wurde das Gesetz verschärft. Es kriminalisiert nun auch jegliche Darstellung von LGBTI-Themen und stuft die LGBTI-Gemeinschaft als „extremistisch“ ein.
In diesem Zusammenhang kam es seitdem zu mehreren Polizeieinsätzen gegen Bars und Clubs, insbesondere in Moskau. Diese Maßnahmen sind Teil einer Kampagne des Kremls, sogenannte „traditionelle Werte“ zu fördern und abweichende Lebensweisen zu unterdrücken. Im Zuge der Gesetzesverschärfungen wurde auch das Werben für ein Leben ohne Kinder verboten.
Menschenrechtsorganisationen und Aktivist:innen kritisieren die verschärfte Verfolgung von LGBTQ-Personen in Russland scharf. Die jüngsten Vorfälle in Tula sind ein weiteres Beispiel für die repressiven Maßnahmen des Landes gegen die queere Community. Während Russland seine Anti-LGBTI-Politik weiter verschärft, wächst die internationale Besorgnis über die Menschenrechtslage im Land.

