Ein handfester Skandal erschüttert derzeit die internationale Leder-Community: Durk Dehner, Mitbegründer der Tom of Finland Foundation (TOFF) und eine feste Größe in der Lederszene, wurde als Jurymitglied bei der Wahl zum International Mister Heather (IML) ausgeschlossen.
Dehner posierte in Nazi-Uniform mit Hakenkreuz und Reichsadler
Grund dafür waren Fotos, die Dehner in einer Nazi-Uniform mit Hakenkreuz und Reichsadler zeigten. Ein Beitrag von Pup Diego Onyx, amtierender „Mr. Bullet Leather 2024“, brachte die Diskussion ins Rollen. Er kritisierte das jahrelange Schweigen über Dehners Vergangenheit und forderte Konsequenzen.
IML-Chef David Ronneberg reagierte prompt. In einem wütenden Facebook-Post verkündete er, dass Dehner nicht länger Teil der Organisation sei: „Hass hat keinen Platz bei IML. Punkt, aus. Jeder, der Symbole oder Kleidung des Hasses trägt – sei es Nazi-Kutte oder MAGA-Hut – hat hier nichts zu suchen“.
Ronneberg bedankte sich bei der Community, die ihn auf die Vorfälle aufmerksam gemacht hatte. „Wir müssen es besser machen. Danke an alle, die uns in die Pflicht nehmen.“
„Das am schlechtesten gehütete offene Geheimnis der Lederszene in Los Angeles“
Auch andere prominente Stimmen aus der Ledergemeinschaft meldeten sich zu Wort. J.L. Carter, „Mr. Sister Leather 2024“, erklärte auf Facebook: „Das war das am schlechtesten gehütete offene Geheimnis der Lederszene in Los Angeles. Ich bedauere, dass ich nicht früher etwas gesagt habe.“ Carter behauptete außerdem, Durk Dehner habe bei einer Veranstaltung im Februar 2024 rassistische Bemerkungen gemacht.
Pup Diego Onyx äußerte sich ebenfalls erneut: „Warum braucht es immer jüngere trans POC-Leute, um solche Dinge ans Licht zu bringen? Es war öffentlich – warum hat niemand früher etwas gesagt?“
Rücktritt war überfällig
Beide betonten, dass der Rücktritt überfällig gewesen sei. Gleichzeitig drückten sie die Hoffnung aus, dass wichtige Programme der Foundation, wie das „Artist in Residence“-Programm für queere Künstler:innen, weiterbestehen werden.
Die IML, die als die älteste und größte Lederveranstaltung der Welt gilt, zieht jedes Jahr tausende Teilnehmer aus verschiedenen Ländern an. Die Teilnehmer:innen qualifizieren sich in regionalen Wettbewerben und treten dann in Chicago in verschiedenen Kategorien gegeneinander an – unter anderem werden Outfit, Präsentation und Persönlichkeit bewertet.
Dehner tritt aus der Stiftung aus
Am Donnerstag ging Durk Dehner noch einen Schritt weiter: Er trat als Präsident der Tom of Finland Foundation (ToFF) zurück. In einem privaten Facebook-Post, dessen Inhalt an die Öffentlichkeit gelangte, entschuldigte er sich für den Schaden, den die Kontroverse der Stiftung zugefügt habe.
„Ich habe meine eigenen ethischen Prinzipien verletzt“, schrieb er, „die Stiftung wusste nichts von diesen Fotos. Es ist nicht fair, dass sie jetzt dafür bestraft wird.“ Sein Rücktritt solle der Gemeinschaft helfen, zu heilen und sich weiterzuentwickeln.
Die Tom of Finland Foundation wurde 1984 von Dehner und dem finnischen Künstler Touko Laaksonen – bekannt als Tom of Finland – gegründet. Sie setzt sich für die Förderung und den Erhalt homoerotischer Kunst ein. Vor allem Laaksonens Werke haben immer wieder für Kontroversen gesorgt. Kritiker werfen ihnen vor, autoritäre Machtstrukturen zu verherrlichen.
Auch die Tom of Finland Foundation verurteilt ihren Mitbegründer
Die Stiftung veröffentlichte mittlerweile ein Statement auf Instagram: „Wir verurteilen Rassismus und Hass in jeder Form. Symbole, die solche Ansichten repräsentieren, haben bei uns keinen Platz.“ Der Geschäftsführer der Foundation, Edward Cella, kündigte an, dass man daran arbeiten werde, das Vertrauen der Community zurückzugewinnen.
Ob die Community der Stiftung weiterhin ihr Vertrauen schenken wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Debatte einen wichtigen Dialog in der Leder-Community angestoßen hat.

