HomePolitikEuropaRussischer Aktivist wegen LGBTQ+-Witzes zu Geldstrafe verurteilt

Russischer Aktivist wegen LGBTQ+-Witzes zu Geldstrafe verurteilt

Ein russisches Gericht verhängte eine Geldstrafe gegen einen Aktivisten, der sich in sozialen Medien scherzhaft als Gründer der „internationalen LGBTQ+-Bewegung“ bezeichnet hatte. Diese Bewegung wurde im vergangenen Jahr vom Obersten Gerichtshof Russlands als extremistische Terrororganisation eingestuft.

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Anton Evdokimov, ein 36-jähriger pro-demokratischer Aktivist, postete im Dezember 2023 auf VKontakte, einer russischen Social-Media-Plattform, einen satirischen Kommentar über die Verfolgung sexueller Minderheiten in Russland.

Der Scherz kostete den Aktivisten 100.000 Rubel

„Jetzt, wo sie LGBTQ+ verboten haben, ist es an der Zeit zu bekennen: Ich bin der Gründer und Hauptorganisator der LGBTQ+ Extremistenorganisation! Ich ging auf die Regenbogenschule, wurde dort rekrutiert und jetzt bestrahle ich alle Homophoben mit Regenbögen“, schrieb er. Außerdem bekämen Homophobe beim Anblick von Regenbögen „Gänsehaut“ und unkontrollierbare Gelüste.

So viel Humor hatte die russische Justiz offenbar nicht. Jewdokimow wurde im November letzten Jahres von einem Moskauer Gericht der „Propaganda nicht-traditioneller Beziehungen“ für schuldig befunden. Das Urteil wurde erst vor wenigen Tagen bekannt. Jewdokimow muss eine Geldstrafe von 100.000 Rubel, umgerechnet etwa 960 Euro, zahlen.

Verstärkte Repression gegen sexuelle Minderheiten in Russland

Seit der Einstufung der „internationalen LGBTQ+-Bewegung“ als extremistisch gehen die russischen Behörden verstärkt gegen Angehörige sexueller Minderheiten vor. Im Januar wurde das Personal eines Restaurants in Jakutsk verhaftet, nachdem die Stadtverwaltung behauptet hatte, dass dort Auftritte von queeren Künstler:innen aus Thailand stattgefunden hätten. 

Auch Razzien in Clubs, Verhaftungen und die Verhängung von Geld- und Haftstrafen häufen sich. Organisationen wie OVD-Info, eine Menschenrechtsgruppe, die politische Verfolgung dokumentiert, sprechen von massiven Eingriffen in die persönliche Freiheit.

Todesfälle und internationale Kritik

Der jüngste Todesfall in russischer Haft unterstreicht die dramatische Situation. Andrej Kotow, Direktor eines Reisebüros, wurde im November 2024 wegen „extremistischer Aktivitäten“ verhaftet und starb kurz darauf in seiner Gefängniszelle. Offiziellen Angaben zufolge hatten Ermittler an seiner Leiche Schnittverletzungen festgestellt. Menschenrechtsgruppen vermuten jedoch staatliche Gewalt hinter seinem Tod.

Die russischen Gesetze zur Unterdrückung von LGBTI-Rechten und die zunehmende Verfolgung stoßen weltweit auf Kritik. Betroffene und Aktivist:innen berichten über die systematische Unterdrückung queerer Identitäten und Ausgrenzung aus der Gesellschaft.

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