Wie der ORF Tirol berichtet, finden diese Woche am Landesgericht Innsbruck zwei Prozesse wegen Hasskriminalität gegen Angehörige sexueller Minderheiten statt. Einem Angeklagten wird vorgeworfen, ein homosexuelles Paar bedroht zu haben.
Im Jahr 2023 wurde nur ein Dutzend Fälle in Tirol angezeigt
Die Kriminalstatistik zeigt, dass Hassverbrechen gegen Homosexuelle oder trans Menschen relativ selten sind. So verzeichnet der Lagebericht Hasskriminalität des Innenministeriums für das Jahr 2023 in Tirol insgesamt 390 vorurteilsmotivierte Straftaten. In einem Dutzend Fällen war die sexuelle Orientierung das Tatmotiv. Die Dunkelziffer dürfte jedoch deutlich höher liegen.
„Rund zehn Prozent der queeren Personen geben an, im letzten Jahr körperlich oder sexuell angegriffen worden zu sein. Bei Transgender-Personen liegt die Zahl sogar bei 17 bis 20 Prozent“, erklärt Thomas Lechleitner, Geschäftsführer des Zentrums Sexuelle Gesundheit Tirol, der ehemaligen Aidshilfe, dem ORF.
Angst vor Zwangsouting und ungerechter Behandlung
Diese Zahl decke sich auch mit größeren Umfragen, so Lechleitner. Und JayJay Kaiser von der Homosexuellen Initiative (HOSI) Tirol ergänzt: „Manche Leute trauen sich nicht, solche Situationen zur Anzeige zu bringen, weil sie Angst haben, zwangsgeoutet zu werden“.
Es gibt aber nicht nur strafrechtlich relevante Vorfälle: Laut Lechleitner erreichen die Antidiskriminierungsstelle immer wieder Meldungen über ungerechte Behandlungen. So würden etwa Zahnärzte nach einer möglichen HIV-Infektion fragen und dann die Behandlung verweigern oder nur Termine zu Randzeiten anbieten. Auch Kündigungen oder Drohungen, jemanden gegen seinen Willen zu outen, kommen vor.
Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Tirol empfiehlt Betroffenen, Vorfälle mit strafrechtlicher Relevanz zur Anzeige zu bringen. Wenn dies nicht gewünscht wird, sei es dennoch wichtig, über das Erlebte zu sprechen. „Es hat sich gezeigt, dass sich das sonst langfristig negativ auf die Psyche auswirkt“, betont Lechleitner.

