Am Freitag ging der aufsehenerregende Prozess gegen einen 40-jährigen ehemaligen Lehrer aus Graz zu Ende. Der Mann wurde für schuldig befunden, sich jahrelang als Mädchen ausgegeben und so an Nacktfotos und -videos von mehr als einem Dutzend seiner minderjährigen Schüler gelangt zu sein. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten sowie zur Unterbringung in einer forensisch-therapeutischen Einrichtung.
Vertrauen der Schüler auf „perfide und widerwärtige Weise“ missbraucht
Die Anklage warf dem ehemaligen Pädagogen vor, das Vertrauen seiner Schüler auf „perfide und widerwärtige Weise“ missbraucht zu haben. Ein technischer Sachverständiger berichtete, dass auf den Datenträgern des Angeklagten rund 6.000 Fotos und Videos von Jugendlichen mit sexuellem Inhalt gefunden wurden, von denen mindestens 58 Aufnahmen minderjährigen Schülern zugeordnet werden konnten.
Ein psychiatrischer Sachverständiger diagnostizierte bei dem Angeklagten Pädophilie und eine Neigung zu pubertierenden Jungen. Aufgrund der festgestellten schweren psychischen Störung empfahl der Gutachter die Einweisung in den Maßnahmenvollzug.
Der Angeklagte habe „wie ein Puppenspieler agiert“, sagt die Richterin
Richterin Julia Riffel begründete das Urteil mit der Glaubwürdigkeit der Aussagen der Schüler und der „heimtückischen Vorgehensweise“ des Angeklagten. Der Verurteilte habe „null Empathie gezeigt und wie ein Puppenspieler agiert“. Der ehemalige Lehrer wurde in fast allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter sexueller Missbrauch von Unmündigen, Missbrauch von Autorität, versuchte Nötigung, Erpressung und Täuschung.
In seinem Schlusswort zeigte sich der Verurteilte reuig: „Es tut mir leid. Was ich getan habe, ist unglaublich – ich habe an der Schule einen Scherbenhaufen hinterlassen“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte bat um drei Tage Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Stellungnahme ab.

