Muhsin Hendricks, der als weltweit erster offen homosexueller Imam galt, wurde in Südafrika erschossen. Die Tat ereignete sich am Samstag nahe der Stadt Gqeberha, ehemals Port Elizabeth, wie die Polizei mitteilte. Hendricks befand sich mit einer weiteren Person in einem Auto, als ein anderes Fahrzeug sie ausbremste.
Zwei Unbekannte stiegen aus einem Auto und eröffneten das Feuer
„Zwei unbekannte Täter mit verhüllten Gesichtern stiegen aus und eröffneten das Feuer“, teilte die Polizei der Provinz Eastern Cape mit. Mehrere Schüsse trafen das Fahrzeug. Hendricks, der auf dem Rücksitz saß, wurde tödlich verletzt. Die Täter flohen umgehend vom Tatort.
Ein Polizeisprecher bestätigte die Echtheit eines Videos, das den Angriff zeigen soll und in sozialen Medien kursierte. „Das Motiv für den Mord ist unbekannt und Gegenstand laufender Ermittlungen“, erklärte die Polizei und forderte Zeugen auf, sich zu melden.
Einsatz für LGBTI-Muslime
Hendricks war eine zentrale Figur in der muslimischen LGBTI-Community. Bereits 1996 hatte er sich als schwul geoutet und begann zwei Jahre später, Treffen für queere Muslime in seiner Heimatstadt abzuhalten. 2011 gründete er schließlich die Al-Ghurbaah-Moschee in Wynberg nahe Kapstadt. Sie diente als sicherer Ort für LGBTI-Gläubige und marginalisierte Frauen.
„Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Menschen beten können, ohne verurteilt zu werden“, sagte er 2022 in einem Interview mit dem Guardian. Hendricks war Vorreiter für einen inklusiven Islam und engagierte sich in mehreren Organisationen für die Rechte queerer Muslime.
Der internationale LGBTI-Verband ILGA World zeigte sich „zutiefst schockiert“ über die Tat. „Wir fordern eine gründliche Untersuchung dessen, was möglicherweise ein Hassverbrechen war“, erklärte ILGA-Exekutivdirektorin Julia Ehrt.
Mord möglicherweise gezielt ausgeführt
Regionale Medien berichten, dass Hendricks vor seinem Tod ein lesbisches Paar getraut haben soll, nachdem eine örtliche islamische Gemeinde die Eheschließung verweigert hatte. Ob diese Zeremonie im Zusammenhang mit dem Mord steht, ist jedoch unklar.
Hendricks hatte in der Vergangenheit mehrfach Drohungen erhalten. In einer Dokumentation aus dem Jahr 2022 sagte er: „Die Notwendigkeit, authentisch zu sein, ist größer als die Angst zu sterben.“ Trotz Warnungen hatte er sich gegen Personenschutz entschieden.
Südafrika hat eine der höchsten Mordraten weltweit. Laut aktuellen Polizeistatistiken wurden im Jahr bis Februar 2024 fast 28.000 Menschen getötet – durchschnittlich mehr als 75 pro Tag. Die Hintergründe der Tat an Hendricks bleiben unklar, doch sein Tod sorgt international für Bestürzung.

