In der indonesischen Provinz Aceh sind zwei Studenten wegen einer homosexuellen Beziehung nach islamischem Recht zu Peitschenhieben verurteilt worden. Einer von ihnen soll 85 Schläge erhalten, der andere 80.
Urteil nach Scharia-Recht
Die beiden Männer wurden im November festgenommen. Nun teilte die Staatsanwaltschaft des Bezirks Banda Aceh mit, dass die Strafe entweder vor oder nach dem im März beginnenden islamischen Fastenmonat Ramadan vollstreckt werde. Der Unterschied in der Bestrafung sei darauf zurückzuführen, dass einer der Männer als „Initiator“ des sexuellen Akts gewertet wurde und das Zimmer gemietet habe.
Der Bezirk Banda Aceh liegt in der gleichnamigen Provinz auf der Insel Sumatra. Aceh ist die einzige Region Indonesiens, in der die islamische Scharia offiziell angewendet wird. Die indonesische Zentralregierung hatte Aceh im Jahr 2001 einen Autonomiestatus gewährt, um einen langjährigen Konflikt mit Aufständischen zu beenden.
Seither gilt dort die Scharia. Neben Homosexualität werden auch andere als moralisch verwerflich eingestufte Handlungen wie Glücksspiel, Ehebruch und Alkoholkonsum mit öffentlichen Stock- oder Peitschenhieben bestraft. Während diese Praxis von internationalen Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wird, stößt sie in der Bevölkerung von Aceh auf eine breite Zustimmung.
Ausweitung der Verfolgung im ganzen Land?
Im restlichen Land steht Homosexualität derzeit nicht unter Strafe. Doch auch das könnte sich möglicherweise bald ändern. Bereits 2022 verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das nichteheliche Beziehungen – einschließlich gleichgeschlechtlicher Partnerschaften – für illegal erklärt. Dieses Gesetz soll 2026 in Kraft treten.
Außerdem plant das indonesische Parlament, queere Inhalte im Fernsehen zu verbieten. Umfragen zeigen, dass die indonesische Gesellschaft solche Maßnahmen mehrheitlich unterstützen. Im Jahr 2023 sprachen sich nur drei Prozent der Bevölkerung für die Ehe für alle aus – weniger als in jedem anderen asiatischen Land.

