Das US-Verteidigungsministerium ist offenbar in einen regelrechten Löschrausch verfallen. Im Zuge einer Kampagne gegen Inhalte zu Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion („DEI“) wurden tausende Bilder aus den Archiven entfernt. Die Anordnung kam direkt von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der seinerseits auf Weisung von Ex-Präsident Donald Trump sämtliche DEI-Referenzen aus dem Pentagon beseitigen lässt.
„Gay“ als Ziel der Säuberung – mit unbedachten Konsequenzen
Doch die Aktion entpuppt sich zunehmend als planlos und absurd. So traf es auch jede Menge Inhalte, die mit Diversität nichts zu tun haben – wie das Foto des legendären Bombers „Enola Gay“: Der B-29 warf am 6. August 1945 die Atombombe auf Hiroshima ab und wurde nach der Mutter des Piloten Paul Tibbets benannt: Enola Gay Tibbets. Und weil ihr Name das Wort „Gay“ enthielt, landete das Bild auf der Streichliste.
Durchaus kein Einzelfall: Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, traf die Löschwelle auch andere Bilder, die nur zufällig das Wort „gay“ enthielten. So wurden Fotos von Armeeangehörigen mit dem Nachnamen „Gay“ entfernt – darunter ein Porträt eines hochrangigen Marine-Unteroffiziers sowie Gruppenbilder von Militäringenieuren.
Löschung trifft vor allem Frauen und Minderheiten
Die Säuberung wirkt wahllos: Laut internen Informationen wurden bereits 26.000 Bilder markiert, doch die Zahl könnte noch auf 100.000 steigen. Besonders verstörend: Niemand scheint zu überprüfen, ob die gelöschten Inhalte überhaupt mit DEI zu tun haben.
Noch gravierender ist, dass die meisten betroffenen Bilder Frauen oder Minderheiten zeigen. Fotos der Tuskegee Airmen, der ersten afroamerikanischen Kampfpiloten der US-Geschichte, wurden entfernt – obwohl sie im Zweiten Weltkrieg tapfer für ihr Land kämpften. Auch das Bild von Harold Gonsalves, einem lateinamerikanischen Marine, der für seine Heldentaten die Medal of Honor erhielt, fiel der Löschaktion zum Opfer.
Frauen sind ebenfalls stark betroffen: Eine Seite der US-Luftwaffe über ein rein weibliches Flugteam wurde stillschweigend gelöscht. Auch Bilder von Jeannie Leavitt, der ersten Kampfpilotin der USA, und Christina Fuentes Montenegro, einer der ersten Frauen mit Abschluss an der Marines-Infanterieschule, wurden entfernt.
Planlose Zensur mit absurden Folgen
Die offen lesbische MSNBC-Moderatorin Rachel Maddow kritisierte die Aktion als „blinde Such-und-Lösch-Aktion“ ohne jegliches Feingefühl. Pentagon-Sprecher John Ullyot hingegen lobte die Geschwindigkeit der Löschungen: „Wir sind erfreut darüber, wie schnell das Verteidigungsministerium die DEI-Inhalte von allen Plattformen entfernt hat.“
Das Konzept von DEI, das in den 1960er-Jahren entstand, sollte Diskriminierung abbauen und Chancengleichheit fördern. In den letzten Jahren wurde es auch auf Geschlechtervielfalt und ethnische Diversität ausgeweitet. Unter Trump wurde beschlossen, DEI-Programme aus Regierungsinstitutionen zu entfernen.

