HomePolitikInlandImmer mehr Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten in Österreich

Immer mehr Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten in Österreich

Anstieg um 20 Prozent: Rechtsanwalt Helmut Graupner warnt vor Gewalt und hoher Dunkelziffer. DÖW spricht von "tradierter Anti-Queerness" in rechtsextremen Milieus.

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Die Zahl der Hassverbrechen gegen Angehörige sexueller Minderheiten in Österreich ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Darauf machte der Wiener Menschenrechtsanwalt Helmut Graupner aufmerksam. Der Großteil der Taten bleibe straflos, so der Präsident des Rechtskomitees Lambda (RKL), das sich seit 1991 für die Rechte homosexueller und transidenter Menschen einsetzt.

Über 90 Prozent der Taten werden nicht angezeigt

„Nur acht Prozent der betroffenen homosexuellen und bisexuellen Personen bringen die Übergriffe zur Anzeige“, so Graupner. Das bedeute, dass mehr als 90 Prozent der Fälle im Dunkelfeld bleiben. Die hohe Dunkelziffer sei ein gefährlicher Nährboden für weitere Gewalt. „Täter, denen nicht Einhalt geboten wird, machen weiter“, so der Jurist.

Graupner wies auch darauf hin, dass Hasskriminalität aufgrund der sexuellen Orientierung in der Statistik zuletzt auf Platz vier der Tatmotive vorgerückt sei. Damit liege sie noch vor der Hautfarbe, aber hinter Weltanschauung, ethnischer Herkunft und Religion.

Massiver Anstieg der Opferzahlen an Schulen

Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung in Schulen: 73 Prozent der befragten queeren Schüler:innen berichten von Mobbing, Beschimpfungen oder Drohungen. Im Jahr 2019 waren es noch 43 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 70 Prozent innerhalb von fünf Jahren. „Das sind erschreckende Zahlen“, betonte Graupner gegenüber der Austria Presse Agentur (APA).

Auch abseits der Schulen ist die Lage angespannt. Laut einem Bericht der EU-Grundrechteagentur (FRA) haben 60 Prozent der LGBTI-Community in Österreich bereits Mobbing erlebt. Sechs Prozent wurden im vergangenen Jahr Opfer körperlicher Gewalt, im Fünfjahresvergleich sind es 15 Prozent.

Fall „Pedo Hunter“ löst Entsetzen aus

Der jüngst bekannt gewordene Fall eines schwulenfeindlichen Netzwerks, das mindestens 17 zumeist schwule oder bisexuelle Männer schwer misshandelt hat, stellt laut Graupner eine „völlig neue Dimension“ dar. Die Opfer wurden beraubt, verletzt und gedemütigt. In Wien gab es in diesem Zusammenhang drei Hausdurchsuchungen.

Graupner befürchtet, dass es noch viele weitere Betroffene gibt, die sich noch nicht gemeldet haben. Er appelliert eindringlich an Gewaltopfer, sich an Opferschutzeinrichtungen zu wenden und juristische Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Seit mehr als 20 Jahren gibt es die juristische und psychosoziale Prozessbegleitung, die für die Betroffenen kostenlos, aber unbezahlbar ist“, sagt er.

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