Nach dem landesweiten Schlag gegen eine Gruppe, die vor allem schwule und bisexuelle Männer gezielt in Fallen lockte und brutal misshandelte, hat die Polizei zwei weitere Verdächtige in der Steiermark festgenommen. Die beiden Männer, Anfang 20, wurden am Freitag in Gewahrsam genommen und in die Justizanstalt Graz-Jakomini eingeliefert. Innerhalb von 24 Stunden soll über Untersuchungshaft entschieden werden.
Wie die Landespolizeidirektion Steiermark mitteilte, steigt die Zahl der Festgenommenen damit auf insgesamt 20. Dreizehn Personen befinden sich weiterhin in U-Haft. Inzwischen wurden 28 Hausdurchsuchungen durchgeführt, auch eine Auslieferung aus der Slowakei ist laut Polizei im Gange. Für die Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.
Opfer wurden gezielt angelockt und brutal attackiert
Die Täter gingen äußerst perfide vor: In mindestens sieben Bundesländern nutzten sie gefälschte Online-Profile, um Männer zu vermeintlichen Treffen zu locken. Diese Begegnungen fanden meist an abgelegenen Orten statt, wo die Opfer von mehreren Personen überfallen, geschlagen, erniedrigt und teilweise ausgeraubt wurden. Die brutalen Übergriffe filmten die Täter und verbreiteten die Aufnahmen in einschlägigen Gruppen.
In einem besonders schweren Fall in Salzburg wurde einem Opfer der Kopf rasiert, dann misshandelten ihn die Täter schwer. Die Polizei wertet diesen Fall als Mordversuch. Die Ermittler:innen sprechen von einer zunehmenden „Gewaltspirale“, die ohne Eingreifen „früher oder später zu Todesopfern geführt hätte“.
Täter ideologisch unterschiedlich, aber vereint durch Gewaltbereitschaft
Die Polizei widerspricht Berichten, wonach alle Tatverdächtigen aus dem rechtsextremen Milieu stammen. „Es handelt sich um ideologisch unterschiedlich veranlagte Personen“, so ein Sprecher des Landeskriminalamts. Was sie eint, sei der „offensichtliche Spaß an roher Gewalt“. Gruppendynamische Prozesse hätten die Eskalation zusätzlich verstärkt.
Die jungen Täter:innen, die zwischen 14 und 26 Jahre alt sind, agierten arbeitsteilig und in hierarchischen Strukturen. Deshalb prüft die Staatsanwaltschaft derzeit auch, ob der „Mafia-Paragraf“ 278 StGB – Bildung einer kriminellen Vereinigung – zur Anwendung kommt.
Opfer melden sich oft aus Angst oder Scham nicht
Viele Opfer der Übergriffe meldeten sich aus Scham oder Angst nicht bei der Polizei. Besonders schwule oder bisexuelle Männer, die ihre sexuelle Orientierung nicht öffentlich leben, wurden von den Tätern als „leichte Beute“ angesehen. Die „AG Venator“, die mit den Ermittlungen betraut ist, hat bisher 17 Opfer namentlich erfasst. Neue Hinweise oder zusätzliche Opfermeldungen sind bislang ausgeblieben.
Die Polizei betont, dass Opfer solcher Straftaten besonderen Schutz genießen und ermutigt Betroffene, sich auch vertraulich unter der Telefonnummer 059133/60-3333 oder der E-Mail an [email protected] an die Exekutive zu wenden.

