Hollywood trauert um Richard Chamberlain. Der US-amerikanische Schauspieler, der in den 1980er-Jahren mit dem Fernsehmehrteiler „Die Dornenvögel“ zum internationalen Star wurde, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Wie sein Sprecher Harlan Boll mitteilte, erlag Chamberlain am 29. März in Waimānalo auf Hawaii den Komplikationen eines Schlaganfalls. Heute, Montag, hätte er seinen 91. Geburtstag gefeiert.
Durchbruch mit „Dr. Kildare“
Geboren wurde George Richard Chamberlain 1934 in Beverly Hills. Sein Weg führte zunächst zur Kunst, doch bald entdeckte er die Schauspielerei für sich. 1961 gelang ihm der Durchbruch mit der Hauptrolle in „Dr. Kildare“. Die Rolle brachte ihm nicht nur seinen ersten Golden Globe ein, sondern machte ihn über Nacht zum Star.
„Alle meine Träume gingen damals in Erfüllung“, sagte Chamberlain rückblickend. In den folgenden Jahrzehnten blieb er dem Fernsehen treu. Große Aufmerksamkeit erhielt er für seine Rollen in der Miniserie „Shogun“ und vor allem in „Die Dornenvögel“. Dort spielte er Pater Ralph de Bricassart, der sich entgegen aller kirchlichen Konventionen in die Farmerstochter Meggie verliebt – ein Stoff, der weltweit über 200 Millionen Menschen vor den Fernseher lockte.
Spätes Coming-out in der Autobiografie
Über Jahrzehnte hielt Chamberlain sein Privatleben aus der Öffentlichkeit heraus. Er galt als Frauenschwarm, zahlreiche Affären mit Schauspielkolleginnen wurden ihm nachgesagt, darunter mit Rachel Ward und Linda Evans. Doch die Gerüchte sollten nie bestätigt werden.
Erst 2003, in seinem Buch „Shattered Love“, sprach er offen über seine Homosexualität und seine langjährige Beziehung mit dem Autor und Produzenten Martin Rabbett.
„Ich dachte, dass etwas fürchterlich falsch mit mir war. Und auch als ich berühmt wurde, war dieses Gefühl noch da“, sagte Chamberlain später in einem Interview mit der New York Times. Das Coming-out sei ein langer innerer Prozess gewesen. In den frühen 2000er-Jahren habe er endlich „nichts mehr zu verteidigen“ gehabt.
Ein Leben auf und hinter der Bühne
Auch auf der Theaterbühne war Chamberlain aktiv. Er spielte Shakespeare, tourte durch die USA und trat sogar in Europa auf. In späteren Jahren war er in Gastrollen unter anderem in Serien wie „Desperate Housewives“, „Brothers & Sisters“ und „Will & Grace“ zu sehen. Auch musikalisch versuchte er sich – mit romantischen Balladen, passend zu seinem Image als sensibler Leading Man.
Eine tiefe Verbindung zu Martin Rabbett
Chamberlain lebte über 30 Jahre lang mit Martin Rabbett auf Hawaii zusammen. Die beiden lernten sich in den 1970er-Jahren kennen und arbeiteten auch beruflich zusammen, etwa im Film „Quatermain“. Auch wenn sie zeitweise getrennt lebten, bestätigte Sprecher Boll, dass sie zuletzt wieder zusammen auf Hawaii wohnten.
In einem bewegenden Statement sagte Rabbett: „Unser geliebter Richard ist jetzt bei den Engeln. Er ist frei und fliegt zu den Seelen, die vor uns gegangen sind. Liebe stirbt nie – und unsere Liebe trägt ihn auf ihren Flügeln in sein nächstes großes Abenteuer.“
Rat an junge Schauspieler: Nur wer es nicht lassen kann
Chamberlain blieb bis zuletzt ehrlich über die Herausforderungen seines Berufs – und über die Hürden, die queere Schauspieler oft überwinden müssen.
In einem Radiointerview erklärte Chamberlain einmal, er würde die Schauspielerei nur jenen empfehlen, die wirklich nicht anders könnten: „Wenn man sich einen anderen Job vorstellen kann, sollte man ihn nehmen.“ Der Beruf sei riskant – aber auch erfüllend, „mit etwas Glück“.
„Es gibt noch immer viel Homophobie“
Auch in einem Interview mit dem LGBTI-Magazin The Advocate zeigte er sich 2010 ernüchtert: „Es gibt noch immer viel Homophobie. Es ist dumm, herzlos und unmoralisch, aber sie ist da.“
Richard Chamberlain hinterlässt ein umfangreiches Werk – und ein Vermächtnis als Schauspieler, der trotz großer öffentlicher Erwartungen seinen eigenen Weg ging.

