Regisseur Paul Poet versteht sein Werk ausdrücklich nicht als konventionelle Doku, sondern als Experiment – als „Donner über Donner“ mit Elementen des Spiels. Über einen Zeitraum von vier Jahren hat der Regisseur die Protagonistin filmisch begleitet und ihr Leben in einer dichten Kino-Collage aufgearbeitet. Dabei interessiert ihn besonders Donners „Uneinschätzbarkeit“. Wie er im FM4-Interview sagt: „Die Unmöglichkeit – wie ich gern überspitzt sage – oder die Eigenartigkeit des Lebensweges zwischen Mann und Frau und links und rechts und ganz rechtsaußen.“
Selbstinszenierung und Rollenspiel: „Donner über Donner“
Im Zentrum des Films steht Monika Donner, die in vielen Szenen über sich selbst spricht, teils in Spielsituationen, teils als Kommentatorin der eigenen Biografie. Schon zu Beginn sieht man Donner zuhause beim Training, dann in einem Garten bei der Lesung eines Textes, der als Gedicht Adolf Hitlers von 1915 eingeführt wird. Gleich ist klar: Hier wird bewusst mit Provokation gearbeitet.
Der Film nimmt die Zuschauer:innen für 109 Minuten mit auf eine Reise durch die Psycholandschaft Donners. Animationssequenzen fassen zentrale Stationen ihres Lebens zusammen: Von der Jugend mit rechtem Hooligan-Umfeld über die Militärkarriere bis zur Mitwirkung an der Gesetzesänderung, die es in Österreich ermöglichte, den Geschlechtseintrag ohne Operation zu ändern.
Poet bezeichnet Donner als „LGBTQ-Ikone gewesen, die dann aber von der Queer-Szene beschränkt anerkannt wurde, weil sie einen rechten Hooligan-Hintergrund aus der Jugend hatte und eine Militärkarriere“.
Ein Spiegel der Gegenwart: Zuhören ohne zu urteilen?
Der Film trifft einen Zeitgeist, in dem Formate wie „We listen and we don’t judge“ in sozialen Medien propagiert werden. Offenheit und das Aushalten von Widersprüchen bestimmen die Struktur. Poet spricht von einem „meta-modernen Menschen, der quasi ein Gestaltenwandler ist“, und zieht Parallelen zu Schlingensiefs berühmtem Container-Projekt: Auch in „Der Soldat Monika“ bleibt das Publikum gefordert, sich zur Hauptfigur zu positionieren.
Ein Großteil des Films kreist um Donners Selbstpräsentation. Sie inszeniert sich beim Schwerter schwingen in der Natur, beim Kuscheln an Bäume oder beim Besuch von Nazi-Bunkern.
In einer Szene sagt sie, militärisch hätte sie Nazi-Deutschland noch mehr Jahre „gegönnt“. Sie begründet dies so: „Die industrielle Massenvernichtung habe Nazi-Deutschland das Genick gebrochen, bis heute, aber militärisch hätte ich diesem Reich noch mehr Jahre gegönnt.“ Diese Aussagen sorgen für Irritation und spiegeln Donners Hang zur Provokation wider.
Provokation, Grenzgänge und politische Einordnung
Das Spiel mit Grenzüberschreitungen zieht sich durch den gesamten Film. Donner gibt in einem Interview zu: „’tschuldigung, wenn ich das so sag“, wenn sie im Zusammenhang mit dem Holocaust über den Kindergarten spricht – ein Beispiel für ihre oftmals irritierende Rhetorik.
Im Rahmen der Pandemie tritt sie als Rednerin in der Protestszene auf und wird von Anhängern der Corona-Maßnahmenkritik bejubelt. Mit Büchern wie „Corona-Diktatur“ wird sie in diesen Kreisen zum Bestseller. Regisseur Poet betont jedoch, dass er in diese Weltanschauungen nicht weiter „hineinsteigen“ wollte.
Gleichzeitig bleibt Donners Weg von Brüchen und Brüskierungen geprägt. Poet spricht im FM4-Interview von einer „quasi Nicht-Festlegbarkeit“, die sie zu einer „Gestaltenwandlerin“ mache. Auch der Vergleich mit „Der Herr Karl“ fällt: Bei Testscreenings bekam der Film den Spitznamen „Die Frau Karl“, in Anlehnung an Helmut Qualtingers Monolog über den opportunistischen Durchschnittsösterreicher.
Brüche im Rollenspiel: Konfrontation und Gegenüberstellung
Die Erzählweise bleibt fragmentarisch und performativ. Schauspielerinnen wie Maria Hofstätter und Sarah Zaharanski verkörpern Frauenfiguren aus Donners Leben. Philipp Hochmair tritt als Drag auf, Roland Düringer spielt Donners Vater am Sterbebett. In diesen Rollenspielszenen kommt es zu Konfrontationen, in denen Donner auch mit kritischen Fragen zu ihrem Weltbild konfrontiert wird.
Der Sänger der Band „Gewalt“ kommentiert mit Musik das Geschehen und stellt Donner offen die Frage, ob sie nicht einfach gern streite. Die Politologin Natascha Strobl analysiert in einer Bootsszene Donners Positionen als „rechts-libertär“. Donner reagiert auf die Analyse lakonisch: „Na, passt guat.“
Eine Außenseiterin als Projektionsfläche
„Der Soldat Monika“ präsentiert eine Protagonistin, die sich jeglicher Einordnung entzieht und das Publikum mit ihren Widersprüchen konfrontiert. Poet hält sich als Regisseur im Hintergrund und lässt die Zuschauer:innen mit einer Flut von Rollen, Positionen und Provokationen zurück. Die dokumentarische Distanz bleibt gewahrt, eine Wertung findet nicht statt. Poet betont: „Für den Zuschauer ist es eine Reise durch ihre Psycholandschaft.“
Am Ende bleibt ein Film, der die „Uneinschätzbarkeit“ einer Hauptfigur erfahrbar macht und gesellschaftliche Fragen nach Identität, Freiheit und Grenzüberschreitung neu stellt. Poet fragt: „Wie weit ist individuelle Freiheit 2025 so geformt, dass sie automatisch den Rechtsruck enablet, das ist die wichtigere Frage.“ „Der Soldat Monika“ bleibt damit ein experimentelles, herausforderndes Porträt – zwischen Psychogramm, Rollenspiel und Spiegel unserer Zeit.


