HomeNewsChronikNach queerfeindlichem Messerangriff in Kiel: Vier Verdächtige ermittelt

Nach queerfeindlichem Messerangriff in Kiel: Vier Verdächtige ermittelt

Mehr als zwei Jahre nach einem mutmaßlich queerfeindlich motivierten Angriff vor einem Lokal in Kiel gibt es nun vier Verdächtige. Die Ermittlungen dauern an – das Motiv bleibt unklar.

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Im Fall der Messerattacke vor einem Lokal in der Kieler Innenstadt vom 5. November 2022 hat die Polizei vier Tatverdächtige ermittelt. Wie die Staatsanwaltschaft Kiel mitteilt, wurden deren Wohnungen inzwischen durchsucht, wobei mehrere Datenträger sichergestellt wurden. Die Ermittler erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse zum möglichen Motiv hinter der Tat.

Der Fall hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, da ein homophobes Motiv nicht ausgeschlossen werden konnte. Oberstaatsanwalt Michael Bimler erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Was das Motiv angeht, sind wir noch nicht richtig weitergekommen.“

Wurden lackierte Fingernägel zum Auslöser?

Nach bisherigen Erkenntnissen sprachen die mutmaßlichen Täter vier Männer vor der Lokal „Mum & Dad“ am Ziegelteich an – offenbar wegen deren lackierter Fingernägel. Zwischen den Gruppen entwickelte sich ein Streit, bei dem ein 23-jähriger Mann versuchte zu schlichten. Dabei zog mindestens einer der Täter ein Messer und verletzte den Mann lebensgefährlich am Oberkörper. Zwei weitere Personen erlitten oberflächliche Schnittwunden, eine vierte wurde ins Gesicht geschlagen.

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Laut Polizei gab es keine vorherige Beziehung zwischen den Opfern und den mutmaßlichen Tätern. Das erschwerte die Ermittlungen erheblich. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb zunächst ohne Erfolg, obwohl zahlreiche Streifenwagen im Einsatz waren. Die Staatsanwaltschaft setzte damals eine Belohnung in Höhe von 2.000 Euro für Hinweise aus.

Ermittler prüfen queerfeindlichen Hintergrund

Der Verdacht eines queerfeindliches Motivs steht weiterhin im Raum. Die Ermittler:innen hoffen demnach, durch die Auswertungen der Datenträger feststellen zu können, „ob wirklich ein schwulenfeindlicher Hintergrund besteht oder ob das sozusagen nur ein Auslöser gewesen ist von Leuten, die sowieso Randale gesucht haben“, so Bimler laut dpa. Das Motiv bleibe daher ein zentrales Thema in den laufenden Ermittlungen.

Neben Zeugenaussagen und Videoaufnahmen wurden inzwischen auch Daten mehrerer Smartphones ausgewertet. Die Ermittlungen seien laut Bimler nur „Stück für Stück“ vorangekommen.

Große Anteilnahme und Solidarität nach der Tat

Die Messerattacke löste kurz nach dem Vorfall eine Welle der Empörung und Solidarität aus. Bereits zwei Tage nach der Tat versammelten sich rund 800 Menschen zu einer Mahnwache am Tatort. Viele Teilnehmende hatten sich aus Solidarität die Fingernägel bunt lackiert. Auch Polizist:innen setzten mit Regenbogenflaggen ein Zeichen gegen Hass und Gewalt.

Die demokratischen Fraktionen des Kieler Stadtrats erklärten geschlossen ihre Unterstützung für die queere Community. Die Stadt und viele Bürgerinnen und Bürger forderten eine lückenlose Aufklärung des Falls. Die Ermittlungen dauern an.

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