HomePolitikInlandKritik an politischen Eingriffen: ÖGS fordert Aufklärung ohne Diskriminierung

Kritik an politischen Eingriffen: ÖGS fordert Aufklärung ohne Diskriminierung

Die Österreichische Gesellschaft für Sexualwissenschaften fordert gesetzlich verankerte, diskriminierungsfreie sexuelle Bildung und kritisiert politische Eingriffe. Neue Richtlinien des Bildungsministeriums schränken externe Anbieter stärker ein.

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Die Österreichische Gesellschaft für Sexualwissenschaften (ÖGS) schlägt Alarm: In einer aktuellen Stellungnahme warnt sie vor politisch und ideologisch motivierten Angriffen auf die Sexualpädagogik in Österreich. Die Organisation fordert von der Politik, sexuelle Bildung als demokratischen Auftrag zu verstehen, aktiv zu verteidigen und strukturell abzusichern.

„Sexuelle Bildung ist kein Luxus, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit“, betont die ÖGS. Sie sei essenziell für eine gesunde Identitätsentwicklung, den Schutz vor Gewalt sowie für die Förderung von Gleichberechtigung und Inklusion.

Fokus auf Schutz und Selbstbestimmung

Nach Ansicht der ÖGS profitieren insbesondere diskriminierte Gruppen wie Kinder, Jugendliche, Frauen, LGBTI-Personen und Menschen mit Behinderungen von professioneller und inklusiver Sexualpädagogik. Diese befähige Menschen dazu, ihre Sexualität selbstbestimmt zu leben, persönliche Grenzen zu wahren und respektvolle Beziehungen zu führen.

„Sexualpädagogik vermittelt nicht nur Wissen über Körper und Beziehungen“, so die Gesellschaft weiter, „sie stärkt auch das Bewusstsein für individuelle Rechte und fördert eine diskriminierungsfreie Gesellschaft.“ Besonders betont wird die Rolle altersgerechter Inhalte und einer wissenschaftlich fundierten Vermittlung.

Neue staatliche Qualitätsstandards für externe Angebote

Das Bildungsministerium hat vor kurzem neue Richtlinien zur Sexualpädagogik an Schulen veröffentlicht. Demnach künftig nur mehr jene externen Anbieter an Schulen tätig werden, die eine positive Qualitätsbeurteilung durchlaufen haben. Diese Beurteilung wird auf einer eigens eingerichteten Plattform veröffentlicht, die von der Geschäftsstelle „Qualitätssicherung Sexualpädagogik“ beim Jugendrotkreuz betrieben wird.

Hintergrund der Maßnahme sind kontroverse Diskussionen um den Verein „Teenstar“. Wie die HOSI Salzburg aufgedeckt hat, hatte die Organisation in Schulungen unter anderem Homosexualität als heilbares Problem dargestellt und vor Selbstbefriedigung gewarnt. Das Bildungsministerium reagierte darauf mit strukturellen Änderungen im Genehmigungsverfahren für externe Anbieter.

Nur geprüfte Organisationen erhalten Zugang zu Schulen

Künftig müssen Anbieter im Bereich Sexualpädagogik ein Qualitätssicherungsverfahren durchlaufen. Dabei werden sie auf ihre fachliche und didaktische Eignung überprüft. Nur wenn die Beurteilung in den meisten relevanten Punkten „hoch“ oder „sehr hoch“ ausfällt, dürfen sie in Schulen eingesetzt werden.

Zusätzlich wird eine verpflichtende Feedbackpflicht für Lehrkräfte eingeführt. Sie müssen nach jeder Einheit mit einem externen Anbieter Rückmeldung geben, die dann ausgewertet und vom Expertenboard beurteilt wird. Optional können auch Schülerinnen, Schüler oder Erziehungsberechtigte Feedback abgeben.

Wissenschaftlicher Rückhalt für ÖGS-Forderung

Die ÖGS verweist auf aktuelle Studien wie den Gender-Gesundheitsbericht 2024, die einen klaren Bedarf an verbesserter Aufklärung und Schutz vor sexualisierter Gewalt aufzeigen. Einschränkungen der Sexualpädagogik gefährdeten nicht nur die öffentliche Gesundheit, sondern auch Selbstbestimmung und grundlegende Menschenrechte, so die Organisation.

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