HomeMedienFernsehenDragqueens im Visier: Queere Perspektiven im Münchner „Polizeiruf 110“

Dragqueens im Visier: Queere Perspektiven im Münchner „Polizeiruf 110“

Hinweis
Dieser Beitrag ist älter als 1 Jahr.

Im Morgengrauen wird im Münchner Bahnhofsviertel ein Mann erschossen. Die Täter fliehen, zurück bleibt ein mit Fischernetz bedeckter Leichnam. Einziger Lichtblick für die Polizei: Drei Dragqueens haben den Mord beobachtet. Doch Menora, Peekabou und Tulip schweigen – aus Angst vor Konsequenzen.

Die Ermittler Cris Blohm und Dennis Eden versuchen, das Vertrauen der drei Zeuginnen zu gewinnen. Ihre Ermittlungen führen sie vom Nachtclub ins ländliche Umland, wo die Dragqueens im Zeugenschutz untergebracht werden. Doch auch dort lauert Gefahr.

Angst vor der Polizei als zentrales Thema

Der Krimi „Ein feiner Tag für den Bananenfisch“, produziert vom Bayerischen Rundfunk, geht über das klassische Genre hinaus. Die Geschichte widmet sich intensiv den Lebensrealitäten queerer Menschen – insbesondere dem tief verwurzelten Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen.

- Werbung -

„Viele Dragqueens oder queere Menschen, wie ich selbst, haben Gewalt erlebt. Auf offener Straße sind wir nicht sicher, werden angespuckt oder körperlich angegriffen“, sagt Patrice Grießmeier im Gespräch mit dem Online-Medium queer.de . Er spielt im Film die Rolle von Tulip. Die Figur, so wie auch die anderen beiden Dragqueens, spiegelt Erfahrungen wider, die viele queere Menschen teilen: Diskriminierung, Isolation und fehlende Unterstützung durch Behörden.

Zwei Welten prallen aufeinander

Die Täter im Film sind von Anfang an bekannt. Die Spannung entsteht vielmehr durch das Aufeinanderprallen zweier Realitäten: die nüchterne Polizeiarbeit trifft auf eine schillernde Subkultur, die mit Vorurteilen kämpft. Zwischen Misstrauen, Angst und vorsichtiger Annäherung entwickelt sich eine komplexe Beziehung zwischen den Kommissaren und den Zeuginnen.

Regisseur Dror Zahavi inszeniert diese Dynamik bildstark und vielschichtig. Das Drehbuch von Günter Schütter nutzt die Drag-Kultur nicht als reines Stilmittel, sondern bringt deren politische und emotionale Dimension zum Ausdruck. Die Figuren Menora, Peekabou und Tulip sind keine Randerscheinung, sondern tragen die Handlung.

Persönliche Erfahrungen prägen den Film

Zwei der Darsteller – Meik van Severen und Patrice Grießmeier – sind selbst als Drag Artists aktiv. Ihre Erfahrungen flossen direkt in den Film ein. „Wir erzählen eine Geschichte, die stark von unseren persönlichen Erfahrungen geprägt ist“, so van Severen gegenüber queer.de. Dies zeigt sich in vielen Details: dem Umgangston, den Kostümen, der Körperhaltung – und vor allem in der Darstellung von Gemeinschaft.

Der Film legt besonderen Wert auf die Bedeutung von sogenannten „chosen families“ – selbstgewählten Familien innerhalb der LGBTI-Community. In Momenten der Ausgrenzung und Unsicherheit bilden sie Rückhalt und Geborgenheit.

Drag mit Haltung

„Ein feiner Tag für den Bananenfisch“ verzichtet auf klischeehafte Darstellungen und nähert sich der Drag-Szene mit Respekt und Authentizität. Der Titel ist eine Anspielung auf die Kurzgeschichte „A Perfect Day for Bananafish“ von J.D. Salinger und greift zentrale Themen wie Isolation und psychische Verletzlichkeit auf.

TV-Hinweis

Die „Polizeiruf 110“-Folge „Ein feiner Tag für den Bananenfisch“ ist am Sonntag, den 18. Mai um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen und anschließend in der ARD Mediathek abrufbar.

Aktuelle Empfehlungen