FPÖ-Chef Herbert Kickl hat wieder zugeschlagen – diesmal mit scharfer Kritik am Eurovision Song Contest (ESC). Im Interview mit der Tiroler Tageszeitung äußerte sich der FPÖ-Obmann abfällig über den internationalen Musikwettbewerb und zielte dabei besonders auf queere Ausdrucksformen ab. Seine Aussagen stoßen auf breite Ablehnung und werfen Fragen zur politischen Tonlage der FPÖ auf.
„Der Song Contest interessiert mich überhaupt nicht“, so Kickl gleich zu Beginn – um dann doch ausführlich seine Meinung zum ESC kundzutun. Den Erfolg von JJ in Basel kann er kaum anerkennen: „Mit Ausnahme der Staatsbürgerschaft des Sängers JJ kann ich ja keinen bestimmten Österreich-Bezug erkennen.“ Dass JJ den weltweit größten Musikwettbewerb mit klassischem Operngesang für Österreich gewinnen konnte, scheint für Kickl nebensächlich.
ESC als Feindbild: Kickls Tirade gegen Vielfalt
Weit über politische Kritik hinaus wird Kickl deutlich, als er den ESC pauschal als Bühne für eine „schrille und laute Community“ abwertet: „Ganz ehrlich, wenn du heute als Mann keinen Rock trägst, als Frau keinen Bart, wenn du nicht trans oder sonst was bist, bist du beim Song Contest chancenlos.“
Diese pauschale und abwertende Beschreibung steht im krassen Gegensatz zur tatsächlichen Vielfalt und musikalischen Breite des ESC. Kickl ignoriert, dass JJ mit einer klassischen, unpolitischen Darbietung ohne Rock, Bart oder politische Botschaft gewonnen hat. Auch unter den anderen Finalisten fand sich kein Act, der dem von Kickl gezeichneten Bild entsprach.
Selbstinszenierung statt sachlicher Kritik
Kickls Rundumschlag richtet sich nicht nur gegen den ESC, sondern auch gegen die Bundesregierung. Diese habe sich laut ihm „aus Ermangelung an sonstigen Erfolgen“ mit JJ inszeniert. Dabei vermischt er persönliche Abneigung mit politischen Unterstellungen und stilisiert sich einmal mehr als Gegner eines angeblichen „Mainstreams“.
Die Kritik wirkt wie gezielt inszeniert, um bestimmte gesellschaftliche Gruppen zu diskreditieren – ein bekanntes Muster aus der Kommunikation der FPÖ. Kickl konstruiert ein Feindbild, das weniger mit dem ESC als mit seiner eigenen politischen Strategie zu tun hat. Er stellt Diversität als Bedrohung dar und redet künstlerischen Erfolg klein.
Fakten sprechen gegen Kickls Darstellung
Beim ESC 2025 war ein breites Spektrum musikalischer Beiträge zu sehen – von Balladen über Pop bis hin zur Oper. JJ, der Gewinner, überzeugte mit seinem Gesang und seiner Bühnenpräsenz. Politische Statements standen bei seinem Auftritt nicht im Vordergrund. Vielmehr war es eine später geäußerte private Meinung zur Teilnahme Israels, die Kritik hervorrief – jedoch unabhängig vom eigentlichen ESC-Auftritt.
Kickls Aussagen blenden diese Fakten aus. Anstatt sich sachlich auseinanderzusetzen, betreibt der FPÖ-Chef Stimmungsmache und grenzt Menschen aus, die nicht seiner Vorstellung gesellschaftlicher Normen entsprechen. In einem Land, das sich gern als Teil Europas versteht, wirken seine Worte wie ein Rückfall in alte Ressentiments.

