Amal ist Französischlehrerin an einer Schule in Brüssel. Sie will mehr als nur Grammatik vermitteln – ihr geht es um Werte wie Meinungsfreiheit, gegenseitigen Respekt und kulturelle Offenheit. Damit steht sie im direkten Kontrast zu einigen ihrer Kolleg:innen und Schüler:innen, die religiös-konservative oder sogar extremistische Ansichten vertreten.
Queere Identität als gesellschaftlicher Tabubruch
Der Film schildert die zunehmende Isolation der Lehrerin, die sich mit ihrer humanistischen Haltung gegen ein wachsendes Klima der Intoleranz stellt. Als eine ihrer Schülerinnen, Monia, wegen ihrer angeblichen Homosexualität ins Visier gerät, eskaliert die Situation.
Monia wird Opfer von Mobbing und Bedrohung – nicht wegen ihres tatsächlichen Verhaltens, sondern allein aufgrund von Gerüchten. Rhalib zeigt damit, wie bereits der bloße Verdacht auf Queerness ausreicht, um im schulischen und familiären Umfeld schwerwiegende Reaktionen auszulösen.
Der Film beleuchtet nicht nur das Leiden der Jugendlichen, sondern auch die Rolle der Erwachsenen. Während viele schweigen oder wegsehen, entscheidet sich Amal zum Handeln. Sie nimmt das Risiko auf sich, Monia beizustehen – auch wenn das ihren eigenen Ruf, ihre Sicherheit und ihre berufliche Stellung gefährdet.
Ein Schulfilm mit politischer Brisanz
Amal ist kein klassischer Coming-of-Age-Film, sondern ein gesellschaftspolitisches Drama. Der queere Aspekt wird in einen größeren Kontext eingebettet: Rhalib verknüpft Fragen nach sexueller Identität mit der Kritik an fundamentalistischen Tendenzen innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft.
Der Film stellt damit unbequeme Fragen. Welche Rolle spielt das Bildungssystem in der Verteidigung demokratischer Werte? Wie stark sind Lehrpersonen bereit, sich gegen Intoleranz zu stellen? Und was bedeutet Schutz für queere Jugendliche in einem Umfeld, das sie nicht akzeptiert?
Zwischen Mut und Bedrohung: eine Lehrerin als Symbolfigur
Die Figur der Amal steht für den Versuch, Zivilcourage in einem zunehmend polarisierten Umfeld zu bewahren. Ihre Loyalität gegenüber Monia, ihre Weigerung zu schweigen – das macht sie zur zentralen moralischen Instanz im Film. Rhalib zeigt sie weder als Heldin noch als Opfer, sondern als realistische, vielschichtige Figur.
Amal ist damit ein Film über Solidarität – aber auch über deren Preis. Besonders der queere Handlungsstrang macht deutlich, wie früh und wie heftig junge Menschen in Konflikte zwischen Identität und gesellschaftlicher Norm gedrängt werden können.


