Die diesjährige Wiener Regenbogenparade stand ganz im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Amoklaufs in Graz. Bevor sich die Teilnehmenden in die bunte Demonstration stürzten, begann die Veranstaltung mit einem stillen Schweigemarsch – angeführt von einem schwarzen Transparent mit der Aufschrift „Unsere Herzen sind in Graz“.
Vom Rathaus bis zum Parlament verzichteten die teilnehmenden Gruppen auch auf Musik. „Unsere Lebensfreude ist kein Gegensatz zur Trauer – sie ist Teil unseres Widerstands“, erklärten die Veranstalter der Parade vorab.
Schweigemarsch im Zeichen des Gedenkens
Auch zahlreiche Politiker:innen beteiligten sich am Trauerzug. Neben den LGBTI-Sprecher:innen der Parteien waren unter anderem der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) oder Ex-Justizministerin Alma Zadić (Grüne) dabei. Für Zadić war es „gerade nach dem schrecklichen Massenmord in Graz wichtig, ein Zeichen gegen Hetze und Gewalt zu setzen“, wie sie der Austria Presse Agentur (APA) sagte.
Katharina Kacerovsky-Strobl, Organisatorin der Vienna Pride, erklärte: „Eine Absage war für uns keine Option. Aber natürlich müssen wir der schrecklichen Tat gedenken.“ Gerade jetzt, wo weltweit die Rechte von LGBTI-Menschen wieder unter Druck geraten, sei Sichtbarkeit besonders wichtig.
300.000 Teilnehmer:innen demonstrierten für Vielfalt
Nach dem Schweigemarsch wurde es laut, bunt und ausgelassen. Mehr als 300.000 Menschen bewegten sich „andersrum um den Ring“, wie es bei der Pride-Tradition üblich ist – also gegen die Fahrtrichtung der Ringstraße. Die Route führte vom Parlament über Staatsoper, Schwedenplatz, Börse und Universität zurück zum Rathausplatz.
Am Abend fand dort die große Abschlusskundgebung statt – mit Reden der LGBTI-Sprecher:innen von SPÖ, NEOS und Grünen und dem Budapester Bürgermeister Gergely Karácsony, der zu Unterstützung der Budapest Pride aufrief. Abgerundet wurde das Programm von musikalischen Acts wie Conchita Wurst, JJ und Ex-Spice-Girl Mel B.
Politischer Protest bleibt im Zentrum
Trotz Partyatmosphäre betonten die Veranstalter erneut den politischen Ursprung der Pride. Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien, verwies auf zentrale Forderungen: In Österreich fehle nach wie vor ein Diskriminierungsschutz im Privatbereich, zudem sei ein gesetzliches Verbot sogenannter Konversionstherapien dringend notwendig.
„Seit den ersten Prides in den 1970er-Jahren wurde viel erreicht – aber wir sind längst nicht am Ziel“, so Otte. Das Ziel bleibe eine Gesellschaft, in der sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht mehr Anlass für Ausgrenzung und Gewalt sind.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen, keine Zwischenfälle
Die Regenbogenparade fand unter verstärkten Sicherheitsmaßnahmen statt. Nach früheren Terrordrohungen galt erneut eine abstrakt erhöhte Gefahrenlage. Eine konkrete Bedrohung habe es laut Polizei jedoch nicht gegeben. Bis in die Abendstunden blieb die Veranstaltung friedlich.
Der ORF entschied sich angesichts der Ereignisse in Graz dafür, die Parade nicht live im Fernsehen zu zeigen. Stattdessen wurde ein Livestream über ORF ON angeboten. Eine Zusammenfassung war für 23:30 Uhr in ORF 1 zu sehen. In dieser wurde auch das Gedenken an die Opfer thematisiert.

