HomeSzeneOberösterreichSelbsternannte „Pädo-Jäger“ in Linz vor Gericht

Selbsternannte „Pädo-Jäger“ in Linz vor Gericht

Zwei junge Männer aus dem Mühlviertel sollen homosexuelle Männer in eine Falle gelockt, bedroht und beraubt haben. Heute beginnt der Prozess gegen sie in Linz.

Heute müssen sich zwei Männer im Alter von 21 und 23 Jahren wegen schwerer Straftaten vor dem Landesgericht Linz verantworten. Sie sollen im April drei schwule Männer über eine Dating-App in die Räume Mauthausen und Langenstein gelockt und anschließend überfallen haben. Laut Anklage gaben sich die beiden zuvor als minderjährige Jungen aus. Die mutmaßlichen Täter waren mit einem Baseballschläger, einem Messer und einer Gasdruckpistole bewaffnet.

Überfall unter dem Vorwand, Pädophile zu entlarven

Die beiden Angeklagten bezeichneten sich laut Polizei selbst als „Pädo-Hunter“ – inspiriert von einer rechtsextremen Gruppierung aus dem Raum Graz, die in ähnlicher Weise vorging. Dabei hätten sie angeblich Erwachsene „entlarven“ wollen, die sich mit Jugendlichen treffen. Die Staatsanwaltschaft erklärte allerdings, es gebe keinerlei Hinweise auf pädophile Handlungen.

Den Ermittlungen zufolge nutzten die Beschuldigten dieses Narrativ als Vorwand. Tatsächlich könnten jedoch auch finanzielle Motive im Vordergrund gestanden haben, da sie insgesamt mehr als 6.000 Euro erbeutet haben sollen.

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Drei Taten innerhalb weniger Tage

Die erste Tat ereignete sich in der Nacht zum 1. April in Mauthausen. Die maskierten und bewaffneten Täter raubten dem Mann zunächst sein Smartphone. Anschließend zwangen sie ihn mit einer Gasdruckpistole, 1.840 Euro von einem Bankomaten abzuheben.

Doch damit nicht genug: Mit den erbeuteten Daten loggten sie sich in die Telebanking-App des Mannes ein. Dort transferierten sie zusätzlich 4.800 Euro vom Konto eines Modelleisenbahnvereins, über das das Opfer als Kassier verfügte.

Bedrohung, Nacktbilder und beschädigtes Auto

In der folgenden Nacht kam es zum zweiten Überfall. Die mutmaßlichen Täter hatten zuvor intime Nachrichten mit dem nächsten Opfer ausgetauscht. Beim Treffen bedrohten sie den Mann mit einem Messer, zerstachen seine Autoreifen und schossen mit einer Gaspistole auf den Wagen. Es entstand ein Schaden von rund 2.000 Euro. Zudem drohten die Täter, die Nacktbilder zu veröffentlichen.

Auch ein dritter Mann wurde zur Zielscheibe. Zwar kam es nicht zu einem Treffen, doch wurden zwei Reifen seines Autos zerstochen. Auch in diesem Fall hatten die Täter zuvor versucht, ein Treffen zu arrangieren.

Täter sitzen in U-Haft – hohe Strafen drohen

Die Opfer erstatteten Anzeige, was zur schnellen Identifizierung der Täter führte. Ermittler konnten das Autokennzeichen ausforschen. Seitdem befinden sich beide Männer in Untersuchungshaft. Einer der Angeklagten ist laut Polizei mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen ähnlicher Delikte.

Der Strafrahmen für die Taten ist hoch. Die beiden müssen sich unter anderem wegen schweren Raubes, Erpressung, gefährlicher Drohung, Datenmissbrauchs und schwerer Sachbeschädigung verantworten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft.

Kein Zusammenhang mit Pädophilie

Die Ermittlungsbehörden stellen klar: Die betroffenen Männer sind nicht pädophil. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass sie sich mit Minderjährigen treffen wollten. Das Mindestalter für einvernehmliche sexuelle Kontakte liegt in Österreich bei 14 Jahren – diese Grenze wurde laut Staatsanwaltschaft in keinem der Fälle unterschritten.

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