HomeNewsChronikÄrger um Regenbogen bei kirchlicher Schul-Eröffnung in Köln

Ärger um Regenbogen bei kirchlicher Schul-Eröffnung in Köln

Eltern, Schüler und kirchliche Mitarbeitende protestieren gegen eine mutmaßliche Anweisung, Regenbogenzeichen bei der Einweihung des neuen Erzbischöflichen Bildungscampus zu vermeiden. Das Erzbistum Köln sieht sich mit Vorwürfen der Queerfeindlichkeit konfrontiert.

Am Montag hat das Erzbistum Köln in Anwesenheit von Kardinal Rainer Maria Woelki feierlich den neuen Bildungscampus in Köln-Kalk eröffnet. Doch die Freude über die 80 Millionen Euro teure Einrichtung mit Grundschule und integrierter Gesamtschule wurde von einem Eklat überschattet: Laut mehreren Medienberichten sollten Regenbogensymbole bei der Feier vermieden werden.

Eltern, Schüler und Mitarbeitende reagierten mit spontanen Protestaktionen. Viele erschienen demonstrativ mit Regenbogen-Buttons, -Taschen oder -T-Shirts zur Veranstaltung. Besonders kritisch äußerte sich die katholische Gemeindereferentin Marianne Arndt. Sie sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), sie sei nach dem Verteilen von Regenbogen-Stickern von einem Sicherheitsmitarbeiter des Geländes verwiesen worden.

Kardinal Woelki unter Druck – Bistum weist Verantwortung zurück

Das Erzbistum bestätigte zwar, dass auf festliche Kleidung hingewiesen worden sei, dementierte aber eine offizielle Direktive gegen Regenbogensymbole. Der Sprecher von Kardinal Woelki erklärte gegenüber der dpa, der Kardinal habe von alldem „nichts gewusst“. Eine interne E-Mail soll lediglich in lockerer Form darum gebeten haben, auf auffällige Kleidung – etwa Regenbogen-Krawatten – zu verzichten.

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Die Darstellung wurde von mehreren Beteiligten angezweifelt. Zwei Schülerinnen berichteten, man habe sie aufgefordert, ihre Sticker abzunehmen, weil der Kardinal das „nicht so gerne sieht“. Arndt kritisierte: „Das System ist voller Angst. Für Bildung braucht man Freiheit.“ Auch Pfarrer Franz Meurer, der ein Regenbogensymbol trug, zeigte sich enttäuscht: „Wie kann dieses tolle Projekt durch die Blödheit von irgendwem so schlecht rüberkommen?“

Symbolpolitik trifft auf reale Ängste

Der Vorfall ereignete sich nur einen Tag nach dem Kölner CSD und mitten in einer bundesweiten Debatte um das öffentliche Zeigen der Regenbogenflagge. Die Entscheidung, entsprechende Symbole bei der Schuleröffnung zu unterbinden, wirkte für viele wie ein politisches Statement – mit klarer Stoßrichtung gegen queere Sichtbarkeit.

Bistumssprecher Wolfram Eberhardt bestätigte dem Kölner Stadt-Anzeiger, dass im Vorfeld der Veranstaltung dazu geraten wurde, auf „provokative Kleidung“ zu verzichten. Ein Fachbereichsleiter habe laut Zeugenaussagen die Regenbogenfarben gar als „Kampfsymbol“ gegen die katholische Kirche bezeichnet.

Kirche spricht von Missverständnis – Kritik bleibt

Mittlerweile bedauert das Erzbistum den Vorfall in einer Stellungnahme. Man betonte, dass Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung nicht akzeptabel sei. Die Schulgemeinschaft sei „sehr vielfältig“, so das Bistum weiter.

Kardinal Woelki steht bereits seit Längerem wegen seiner Haltung zu queeren Themen in der Kritik. Er lehnt Reformansätze wie die Segnung homosexueller Paare strikt ab und widersetzte sich dem Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland. Erst im Juni hatten mehr als 50.000 Menschen eine Petition zu seiner Absetzung unterzeichnet.

„Schule für alle“ – mit Einschränkungen?

Besonders bitter stößt vielen auf, dass der Bildungscampus unter dem Motto „Schule für alle“ eröffnet wurde. Kardinal Woelki hatte selbst betont, dass dort Kinder mit unterschiedlichen kulturellen, sozialen und religiösen Hintergründen miteinander lernen sollen. Die Ereignisse bei der Eröffnung werfen jedoch Fragen auf, wie ernst es das Bistum mit diesem Anspruch meint – vor allem, wenn es um queere Schüler:innen geht.

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