Frank Rommerskirchens Erotik-Thriller „Janosch – Sympathy for the Devil“ führt seine Leser:innen tief in das psychologische Innenleben eines jungen Mannes, der zugleich Opfer und Täter ist. Im Zentrum steht Janosch, der auf einem Hamburger Jahrmarkt arbeitet und sich nachts als Stricher verdingt.
Ein zerrissenes Leben mit inneren Dämonen
Die scheinbare Routine eines zerrissenen Lebens wird von inneren Dämonen durchbrochen: Gewalt, Lust, Selbsthass – und letztlich Mord. Der Roman verwebt diese Elemente zu einer düsteren Charakterstudie, die unter die Haut geht.
Schon der erste Eindruck: Der Stil ist schnörkellos, direkt, dabei aber nie lieblos. Rommerskirchens Sprache wirkt wie ein Katalysator: Sie verstärkt das Drama, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Diese Klarheit tut besonders gut in einem Genre, das sonst gern überdramatisiert. Was erzählt wird, ist ohnehin dramatisch genug.
Ein Protagonist, der verstört
Janosch ist ein Protagonist, der verstört. Er trägt das Gepäck einer brutalen Kindheit, einer homophoben Umgebung und eines entfremdeten Ichs. Er sucht Nähe – körperlich, emotional – findet sie aber nie, weil er sich selbst nicht erträgt.
Genau hier setzt Rommerskirchen an: Der Roman zeigt nicht einfach einen Kriminellen, sondern entblättert einen Menschen, der sich Stück für Stück verliert. Aus diesem inneren Druck heraus geschehen die Morde – fünf an der Zahl –, und Janosch ist der Täter. Es gibt kein Whodunit, keinen Kommissar im Nacken, keine konstruierte Auflösung. Die Gewalt ist das Ergebnis eines Systems aus Scham, Ausgrenzung und seelischem Schmerz.
Die Taten sind verstörend und verschreckend zugleich
Was das Buch besonders macht, ist sein Mut, diesen Weg nicht zu verkürzen oder zu beschönigen. Es gibt keine simple Erklärung, kein Entkommen durch äußere Erlösung. Janoschs Taten sind zugleich erschreckend und verständlich – was für Leser:innen eine unangenehme, aber wichtige Perspektive öffnet.
Die Morde selbst sind drastisch, aber nie effekthascherisch. Vielmehr dienen sie als Spiegel: Jeder Mord ein Ausdruck seiner Zerrissenheit, eine verzweifelte Reaktion auf unerfüllte Sehnsüchte.
Die Orte sind mehr als Kulisse
Ein weiterer Pluspunkt ist das Milieu: Der Jahrmarkt mit seinen Lichtern und Schatten, die billigen Hotelzimmer, die flüchtigen Begegnungen – Rommerskirchen zeichnet diese Orte mit liebevoller Präzision. Sie sind mehr als Kulisse; sie sind Spiegelbilder von Janoschs Innenwelt. Besonders intensiv wirken die Momente, in denen Erotik und Gewalt sich berühren – ohne je voyeuristisch zu werden. Das ist eine Gratwanderung, die der Autor souverän meistert.
Natürlich verlangt das Buch seinen Leser:innen einiges ab. Es ist kein Wohlfühlthriller, kein schneller Nervenkitzel für zwischendurch. Wer hier eintaucht, sollte bereit sein, sich auf einen inneren Abgrund einzulassen. Manche Passagen wirken dadurch bedrückend – was wohl auch genau so gewollt ist. Die Spannung liegt nicht in der Frage, wer als Nächstes stirbt, sondern darin, ob und wie Janosch sich selbst noch retten kann.
„Janosch – Sympathy for the Devil“ ist ein beklemmender, emotional fordernder, aber literarisch starker Erotik-Thriller. Statt einfacher Antworten bietet Frank Rommerskirchen eine tiefgreifende Charakterstudie mit düsterem Sog. Wer sich auf diesen Trip einlässt, wird belohnt mit einer ungewöhnlichen Perspektive auf Schuld, Begehren und Menschlichkeit – in all ihrer Widersprüchlichkeit.


