Am heutigen Donnerstag berät der Innsbrucker Gemeinderat über die Bewerbung für den Eurovision Song Contest (ESC) 2026. Dabei geht es vor allem um die finanzielle Beteiligung der Stadt. Die Sitzung findet hinter verschlossenen Türen statt – Grund dafür ist eine vom ORF geforderte Vertraulichkeitsklausel.
Bereits in der Vorwoche hatte der Stadtsenat die ESC-Bewerbung mit Mehrheit unterstützt. Auch die Tiroler Landesregierung signalisierte grünes Licht für das Millionenprojekt. Der ORF führt derzeit Gespräche mit Wien und Innsbruck – beide Städte haben Konzepte zur Ausrichtung des Events vorgelegt.
20 Millionen Euro Gesamtkosten – Kritik an Finanzierung
Das aktuelle Konzept rechnet mit knapp 20 Millionen Euro Gesamtkosten. Etwa ein Drittel davon soll auf die Stadt Innsbruck entfallen. Bürgermeister Johannes Anzengruber (JA – Jetzt Innsbruck) hält das Vorhaben dennoch für realistisch: „Wir bewerben uns als weltoffene Kulturstadt im Herzen der Alpen. Die Olympiahalle bietet perfekte Voraussetzungen“, sagte er dem ORF Tirol.
Auch wirtschaftlich verspricht sich die Stadt einiges. Laut einer Studie der Wirtschaftskammer Tirol könnte das Event eine direkte Wertschöpfung von rund 58 Millionen Euro bringen. Der Bürgermeister betont zudem den internationalen Werbewert: „Rund 170 Millionen Menschen haben den ESC 2024 in Basel verfolgt – so eine Bühne bekommen wir nicht oft.“
Opposition spricht von Intransparenz und Risiko
Die Opposition zeigt sich weniger begeistert. Die FPÖ spricht von einem „Drahtseilakt“ auf Kosten der Steuerzahler. „Anzengruber treibt Innsbruck in den finanziellen Ruin“, heißt es aus den Reihen der Freiheitlichen. Die Liste Fritz fordert den Rückzug der Bewerbung. Man zweifelt an der Tragfähigkeit des Finanzplans und kritisiert die Geheimhaltung.
Auch die Fraktion „Das Neue Innsbruck“ äußert Bedenken: Die Sicherheitskosten seien ungeklärt, die Finanzierungsstruktur zu wenig transparent. Die Abstimmung im Stadtsenat erfolgte bereits mit Gegenstimme der FPÖ.
Bürgermeister will Augenmaß wahren
Trotz Kritik betont Bürgermeister Anzengruber, dass Innsbruck keinen „Blankoscheck“ ausstelle: „Jeder Beitrag der Stadt oder ihrer Beteiligungen muss transparent und darstellbar sein. Wir tun das mit Augenmaß und Hausverstand.“ Die Stadt verfüge über das notwendige Know-how und die Infrastruktur, um den ESC erfolgreich auszurichten.
Wie genau Innsbruck die Bewerbung finanzieren will, bleibt aufgrund der Vertraulichkeit bisher unklar. Eine Entscheidung seitens des ORF wird in der zweiten Augusthälfte erwartet. Bis dahin dürfte die Debatte rund um die ESC-Pläne weitergehen.

