Der Innsbrucker Gemeinderat hat am Donnerstagnachmittag eine zentrale Entscheidung getroffen. Die Landeshauptstadt Tirols bewirbt sich offiziell als Austragungsort für den Eurovision Song Contest (ESC) 2026.
Gemeinderat stimmt ESC-Bewerbung zu
Mit knapper Mehrheit stimmte die Stadtkoalition aus JA – Jetzt Innsbruck, SPÖ und Grünen dem Antrag zu. Die Fraktionen von FPÖ und „Das neue Innsbruck” lehnten die Bewerbung hingegen ab.
Bürgermeister Johannes Anzengruber (JA) bestätigte, dass die Unterlagen für die Bewerbung bereits eingereicht wurden. Die Entscheidung des ORF, ob Innsbruck oder Wien den Zuschlag erhält, soll in der zweiten Augusthälfte fallen.
Finanzierungspaket im Gemeinderat beschlossen
Zusammen mit der Bewerbung hat der Gemeinderat auch ein umfangreiches Finanzierungspaket beschlossen. Dieses beinhaltet den städtischen Beitrag zur Veranstaltung sowie verschiedene Sachleistungen, darunter vor allem die Nutzung der Olympiaworld als möglicher Veranstaltungsort.
Das Paket gilt allerdings nur für den Fall, dass Innsbruck den Zuschlag tatsächlich erhält. Offizielle Zahlen, etwa zur erwarteten Gesamtsumme von rund 19,5 Millionen Euro, wurden nicht veröffentlicht.
Kritik an geheimer Abstimmung
Die Beratung über das Finanzierungskonzept fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, was bei der Opposition für Empörung sorgte. Rudi Federspiel (FPÖ) sprach von „Hinterzimmerpolitik“ und kritisierte: „Hier wird mit Millionen jongliert, ohne dass die Bürger etwas erfahren.“ Er ließ sich bei der Abstimmung vertreten.
Auch Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) äußerte ihr Unverständnis: „Es geht nicht um Vertragsinhalte. Warum also der Ausschluss?“ Mesut Onay (ALi) warf der Stadtregierung vor, mit dieser Vorgangsweise kritische Stimmen gezielt auszuschließen.
Bürgermeister verweist auf ORF-Klausel
Bürgermeister Anzengruber wies die Kritik zurück. Man sei zur Geheimhaltung verpflichtet gewesen. Ohne Unterzeichnung der ORF-Klausel hätte die Stadt die Ausschreibungsunterlagen gar nicht erhalten. Die Vertraulichkeit diene dem Schutz der Stadt und sei Teil der formalen Bedingungen des ORF.
Der ORF hatte bereits Lokalaugenscheine in Innsbruck und Wien durchgeführt. Beide Städte bewerben sich mit unterschiedlichen Konzepten: Wien mit dem Slogan „Europe, shall we dance?“ und Innsbruck mit „Together on Top“. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann kündigte eine detaillierte Prüfung beider Kandidaten an.

