Am Samstag gegen vier Uhr morgens stoppte die Besatzung eines Streifenwagens der Berliner Polizei zwei junge Männer, die mit einem Elektroroller und einer Pride-Fahne durch die Eberswalder Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg fuhren. Die Fahne stammte offenbar von einer nahegelegenen queeren Bar.
Zwei Verdächtige – 17 und 18 Jahre alt – wurden überprüft
Daraufhin kontrollierte die Polizei die beiden Verdächtigen. Der 18-Jährige fuhr den Roller, sein 17-jähriger Begleiter hielt die Fahne in der Hand. Nachdem die Polizist:innen Kontakt mit dem Betreiber der Bar aufgenommen hatten, stellte sich heraus, dass die Fahne dort entwendet worden war. Die beiden jungen Männer gaben an, als Touristen in Berlin zu sein.
Nach der Feststellung ihrer Personalien wurden die beiden Verdächtigen zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. Zu ihrer Nationalität oder Herkunft machte die Polizei in ihrer Mitteilung keine Angaben. Da die Polizei die Tat dem Bereich der Hasskriminalität zuordnet, hat sie den Polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamts (LKA) Berlin mit den weiteren Ermittlungen beauftragt.
Wiederholte Angriffe auf queere Bar in Prenzlauer Berg
Die Bar, von der die Fahne entwendet wurde, war bereits mehrfach Ziel queerfeindlicher Übergriffe. Nach übereinstimmenden Angaben handelt es sich um die „Tipsy Bear Bar“. Erst Ende Juni hatte es dort einen weiteren Angriff gegeben.
Damals riss eine Gruppe von vier jungen Männern die Regenbogenfahne am Eingang der Bar ab, verbrannte sie an einer nahe gelegenen Kreuzung und beschimpfte die Gäste der Bar mit schwulenfeindlichen Ausdrücken. Zeug:innen berichteten, dass die Angreifer flüchteten, als sie die Sirene eines Polizeiwagens hörten. Auch in diesem Fall übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen.
Betreiber berichten von regelmäßigen queerfeindlichen Übergriffen
Das Team der Bar schilderte in den sozialen Netzwerken, dass Gewalt und Anfeindungen zum Alltag gehören. Immer wieder komme es zu Angriffen, die von Graffitis über Bespucken bis hin zu Attacken mit Pfefferspray reichen.
Die Bezirksbürgermeisterin von Pankow, Cordelia Koch, äußerte sich dazu im Tagesspiegel: „Wer die Regenbogenfahne angreift, greift uns alle an.“
Für Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten gibt es in Berlin eigene Ansprechpartner:innen
Angehörige sexueller Minderheiten, die Opfer von Hasskriminalität geworden sind, können in der deutschen Hauptstadt unter anderem auf der Internetwache der Polizei Berlin online eine Anzeige aufgeben.
Bei der Berliner Polizei gibt es zudem zwei Ansprechpersonen für LGBTI . Damit soll Angehörigen sexueller Minderheiten, die oft aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen ein eher kritisches Verhältnis zur Polizei haben, das Erstatten einer Anzeige nach einem Übergriff erleichtert werden.

