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Berliner Club SchwuZ meldet Insolvenz an – Betrieb soll vorerst weiterlaufen

Deutschlands ältester queerer Club steckt in der Krise: Das SchwuZ hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb geht weiter, doch es stehen harte Einschnitte bevor.

Der queere Berliner Club SchwuZ hat aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Die Geschäftsführung teilte diesen Schritt am Donnerstagabend über Instagram mit. Auch eine interne E-Mail an Mitarbeitende und Künstler:innen liegt GGG.at vor. Trotz der wirtschaftlichen Schieflage soll der Clubbetrieb vorerst weiterlaufen – mindestens bis zur voraussichtlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Oktober 2025.

„Die Beschäftigungsverhältnisse bleiben bestehen und die Gehälter werden weiterhin gezahlt“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme der Geschäftsführung. Gleichzeitig bereitet sich das SchwuZ auf einen umfassenden Sanierungsprozess vor, der von externen Insolvenzexpert:innen begleitet werden soll.

Wirtschaftliche Probleme seit Anfang 2024

Laut Geschäftsführung begann die wirtschaftliche Krise bereits Anfang 2024, als sich ein erhebliches Defizit abzeichnete. Erste Maßnahmen, um gegenzusteuern, zeigten jedoch keine ausreichende Wirkung. Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung im März 2025 begann eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen Situation. Dabei zeigte sich das ganze Ausmaß der Probleme erst im Mai.

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„Das SchwuZ verzeichnete über Monate hinweg monatliche Fehlbeträge zwischen 30.000 und 60.000 Euro“, heißt es in der internen Mitteilung. Die Einnahmen seien rückläufig gewesen, was sowohl auf strukturelle Veränderungen im Ausgehverhalten als auch auf eine angespannte Marktlage zurückzuführen sei.

Kündigungen und Crowdfunding im Sommer haben nicht gereicht

Als erste drastische Maßnahme kündigte das SchwuZ im Mai 2025 insgesamt 33 Mitarbeitenden, darunter auch langjährige Teammitglieder. Dieser Schritt wurde öffentlich stark kritisiert, doch die Geschäftsführung verteidigte sich: Ohne die Entlassungen hätte die unmittelbare Schließung des Clubs gedroht.

Zeitgleich startete das SchwuZ ein Crowdfunding, um seine Infrastruktur zu modernisieren und neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Die Resonanz blieb jedoch bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück. Von den angestrebten 150.000 Euro wurden bislang lediglich rund 3.000 Euro erreicht.

Das Ziel ist eine Neueröffnung mit Perspektive

Trotz aller Rückschläge zeigt sich die Clubleitung kämpferisch. Ziel sei es, im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine sogenannte „Fortführungsprognose“ zu erreichen, also eine wirtschaftliche Perspektive, mit der der Club dauerhaft bestehen kann. Hierfür werden jedoch weitere tiefgreifende Veränderungen notwendig sein.

„Es geht nicht darum, aufzugeben, sondern darum, neu zu starten“, schrieb Geschäftsführerin Katja Jäger in einer Mitteilung an Künstler:innen und Kollektive. Gemeinsam mit der Community, Partner:innen und einer externen Insolvenzberatung wolle man neue Wege finden, um das SchwuZ zukunftsfähig aufzustellen.

Eine Institution der queeren Szene

Das 1977 als „Schwulen-Zentrum“ gegründete SchwuZ zählt heute zu den wichtigsten queeren Kulturorten Deutschlands. Es war maßgeblich an der Organisation des ersten Berliner Christopher Street Day im Jahr 1979 sowie an der Gründung der queeren Stadtzeitung Siegessäule beteiligt.

Im Jahr 2013 zog der Club von Kreuzberg nach Neukölln und bietet seitdem Platz für über 1.000 Gäste. Auf Instagram ruft das Team nun dazu auf, den Club weiterhin zu besuchen: „Komm vorbei! Tanz. Feiere!“

Ob das ausreicht, um den Club dauerhaft zu retten, bleibt vorerst offen. Doch der Wille, weiterzukämpfen, ist sowohl bei der Belegschaft als auch in der Community vorhanden.

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