[publishpress_authors_box layout="ppma_boxes_75184"]
HomePolitikInternational70 Prozent mehr Hassverbrechen gegen LGBTI-Community in Argentinien

70 Prozent mehr Hassverbrechen gegen LGBTI-Community in Argentinien

Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Argentinien 102 Hassverbrechen gegen LGBT-Personen registriert – ein Anstieg um 70 Prozent. Menschenrechtsorganisationen machen vor allem die Rhetorik von Präsident Javier Milei mitverantwortlich.

Die Zahl der Hassverbrechen gegen queere Personen ist in Argentinien stark angestiegen. Laut der Menschenrechtsorganisation „Observatorio Nacional de Crímenes de Odio LGBT+“ ereigneten sich zwischen Jänner und Juni 2025 insgesamt 102 Hassverbrechen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 60 Fälle. Damit stieg die Zahl der Übergriffe um rund 70 Prozent.

Mit Abstand am häufigsten betroffen waren trans Frauen: Sie machten 70,6 Prozent der Opfer aus. An zweiter Stelle folgten schwule Männer mit 16,7 Prozent, lesbische Frauen mit 6,9 Prozent, trans Männer mit 4,9 Prozent und nicht-binäre Personen mit einem Prozent.

Tödliche Gewalt und strukturelle Ursachen

In 17 Fällen (16,7 %) war die Gewalt tödlich. Das heißt, es gab Morde, Suizide und Todesfälle, weil jemand ausgegrenzt wurde. In den übrigen 85 Fällen ging es um körperliche Gewalt, beispielsweise in Form von Übergriffen oder Suizidversuchen.

- Werbung -

Von den tödlichen Fällen betrafen neun trans Frauen. Der Bericht spricht in diesem Zusammenhang von einer besonders brutalen Ausprägung von Hass, die sich gezielt gegen die Trans-Community richtet.

Mehr als die Hälfte der Fälle in Buenos Aires

Rund 61 Prozent aller Vorfälle ereigneten sich in der Provinz Buenos Aires, der bevölkerungsreichsten Region des Landes. Besonders schwerwiegend ist, dass in fast zwei Drittel der dokumentierten Fälle (64,7 %) der Staat selbst als verantwortlicher Akteur benannt wird.

Davon gehen 54 Fälle direkt auf das Verhalten von Sicherheitskräften zurück. In weiteren 12 Fällen waren andere staatliche Einrichtungen durch Handlungen oder Unterlassungen beteiligt, die Gewalt ermöglichten. Im Bericht heißt es dazu: „Statt Schutz zu bieten, ist der Staat einer der zentralen Verursacher von Gewalt gegen sexuelle Vielfalt.“

Kritik an Präsident Javier Milei

Mehrere queere Organisationen machen die politische Rhetorik von Präsident Javier Milei für die angespannte Lage mitverantwortlich. In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2025 bezeichnete er die sogenannte „Gender-Ideologie” als „Krebs” und „mentalen Virus”. Auch den „radikalen Feminismus“ griff er scharf an.

María Rachid von der Federación Argentina LGBT+ (FALGBT) macht deutlich: „Die Zunahme dieser Verbrechen ist eine direkte Folge der Hassreden aus Regierungskreisen – insbesondere vom Präsidenten selbst.“

Junge Erwachsene besonders gefährdet

Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen. Fast die Hälfte aller registrierten Fälle betraf Personen in dieser Altersklasse. An zweiter Stelle folgten Menschen zwischen 40 und 49 Jahren (19,4 %), dicht gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen (16,1 %).

Der ehemalige Präsident der FALGBT, Esteban Paulón, sagte: „Wenn Hass aus den höchsten politischen Ebenen kommt, folgen konkrete Gewalttaten. Die Polizei fühlt sich im aktuellen Klima bestärkt – das ist gefährlich, weil sie das Gewaltmonopol hat.“

Brutaler Angriff auf trans Frau in Burzaco

Ende Juli ereignete sich ein besonders schockierender Fall in Burzaco, einer Stadt im Süden von Buenos Aires. Eine trans Frau, die als Sexarbeiterin tätig ist, wurde von fünf Männern angegriffen. Sie schlugen sie bewusstlos und traten weiter auf sie ein, während sie am Boden lag.

Als sie wieder zu sich kam, bat sie die Polizei um Hilfe. Doch statt medizinischer Versorgung bot man ihr lediglich an, eine Anzeige zu erstatten. Erst später wurde die Frau in ein Krankenhaus gebracht. Trotz ihrer schweren Verletzungen wollte sie am nächsten Tag wieder zur Arbeit gehen – wegen ihrer prekären Lebenssituation.

Für den 7. August ist ein Treffen von LGBTI-Aktivist:innen mit Vertreter:innen des Innenministeriums, lokalen Behörden und der Polizei geplant. Ziel ist es, Maßnahmen zum Schutz der LGBTI-Community, insbesondere von trans Personen, auf den Weg zu bringen.

Aktuelle Empfehlungen