HomeSzeneNiederösterreichCrystal Meth im Pfarrhaus: Ein schwuler Pfarrer bricht sein Schweigen

Crystal Meth im Pfarrhaus: Ein schwuler Pfarrer bricht sein Schweigen

Ein niederösterreichischer Pfarrer wurde 2024 beim Versuch erwischt, Crystal Meth herzustellen. In einem Interview spricht er offen über seine Homosexualität, den Verlust des Glaubens und seinen Wunsch, die Kirche hinter sich zu lassen.

Im Sommer 2024 sorgte ein Fall in der niederösterreichischen Kleinstadt Gmünd für Aufsehen. Ein 39-jähriger katholischer Pfarrer wurde verhaftet, da er in seiner Pfarrwohnung mutmaßlich ein Crystal-Meth-Labor betrieben hatte. Die Polizei schätzte den Verkaufswert der Drogen auf rund 35.000 Euro. Kurz vor Beginn seines Prozesses äußert sich der ehemalige Geistliche nun erstmals öffentlich.

Im Interview mit dem Nachrichtensender Puls 24 schildert er seine psychische Belastung, seinen Glaubensverlust und die Rolle, die seine Homosexualität spielte.

„Ich hatte genug von dieser ganzen Heuchelei“

Der ehemalige Pfarrer erklärt, dass er seine Homosexualität jahrelang verbergen musste. Innerlich sei das mit seinem Beruf unvereinbar gewesen. „Ich hatte genug von dieser ganzen Heuchelei in der Institution Kirche. Ich hab mich nicht wertgeschätzt und einsam gefühlt, auch komplett enttäuscht.“ Seine Entscheidung, die Kirche zu verlassen, sei schon lange vor dem Drogenvorfall gereift. Er habe sich „möglichst schnell von dieser Institution befreien“ wollen.

Zu diesem Zeitpunkt war er bereits verlobt, was einen weiteren Bruch mit den kirchlichen Erwartungen darstellte. Auch seinen Glauben hatte er zu diesem Zeitpunkt verloren. „Ich musste den barmherzigen Gott predigen, aber ich habe an ihn überhaupt nicht mehr geglaubt“, sagt er. Er habe zwar bewundert, dass andere Priester trotz fehlendem Glauben im Amt bleiben konnten, für sich selbst habe er das aber ausgeschlossen: „Ich konnte das nicht.“

Crystal Meth als kurzfristige Lösung

Die psychische Belastung durch Depressionen, finanzielle Sorgen und den beginnenden Ausstieg aus der Kirche führte schließlich zum Drogenkonsum. Ein Freund bot ihm Crystal Meth an, das ihn überraschend stabilisierte. „Ich war fokussiert und konnte arbeiten. Die depressiven Gedanken waren weg.“ Er beschreibt den Konsum als „teuflische, aber wirkende Selbstmedikation“.

Die Entscheidung, Meth selbst herzustellen, sei in einem Zustand innerer Verzweiflung gefallen. „Ich war bedrückt, depressiv, geistig verschwunden.“ Er habe gehofft, durch den Verkauf „einmalig“ Geld zu verdienen, um sich „vielleicht retten“ zu können. Die nötigen Informationen zur Herstellung habe er im Internet gefunden.

Unterstützung aus der Gemeinde trotz Vertrauensbruch

Trotz des Skandals hat sich seine ehemalige Pfarrgemeinde nicht von ihm abgewendet. Während seiner viermonatigen U-Haft und auch danach erhielt er viel Zuspruch. „Diese Leute aus meiner Pfarrgemeinde sind fantastische Menschen“, sagt er. Dass er sie enttäuscht habe, bereue er zutiefst. „Das ist etwas, was mir immer wieder auf dem Herzen liegt.“

Im August beginnt nun der Strafprozess. Seine Anwältin geht von einem möglichen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren aus. Der ehemalige Pfarrer will auf jeden Fall die Konsequenzen tragen: „Ich habe gemacht, was ich gemacht habe. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war.“ Für die Zukunft wünscht er sich ein einfaches Leben – ohne Kirche, aber mit seinem Partner, ehrlicher Arbeit und neuen Perspektiven.

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