Am Wochenende griffen Aktivist:innen in Orlando im US-Bundesstaat Florida erneut zu Farbe und Pinseln: Sie bemalten den Regenbogen-Zebrastreifen vor dem früheren Pulse-Nachtclub, in dem eines der schlimmsten Massaker an queeren Menschen in der Geschichte der USA stattgefunden hatte, neu. Hintergrund ist die Entscheidung des Verkehrsministeriums des Bundesstaates, die bunten Streifen in der vergangenen Woche zu entfernen.
Der Eingriff erfolgte laut Behörden im Auftrag des konservativen Gouverneurs Ron DeSantis.
Aktivisten trotzen staatlichen Vorgaben
Die Maßnahme stützt sich auf ein neues Gesetz, das „nicht konforme Straßenmarkierungen“ verbietet. Neben Orlando haben auch Städte wie Key West und Delray Beach entsprechende Aufforderungen zur Entfernung der Regenbogen-Zebrastreifen erhalten. Orlandos Stadtvertreter erklärten allerdings, sie hätten keine offizielle Mitteilung erhalten.
„Wir wurden nicht gewarnt und sehen diesen Schritt als unrechtmäßigen Eingriff“, hieß es aus dem Rathaus. Aktivist:innen reagierten zunächst mit Kreidefarben, die jedoch von Regen weggespült wurden. Schließlich folgte eine dauerhafte Neugestaltung mit frischer Farbe.
„BIG BEAUTIFUL PAINT“ – Senator Smith mit klarer Botschaft
Der offen schwule Senator Carlos Guillermo Smith teilte ein Video der Malaktion in den sozialen Netzwerken. „Orlando-Gemeindemitglieder haben mit BIG BEAUTIFUL PAINT die staatlich genehmigten Fußgänger-Sicherheitsmarkierungen wiederhergestellt – als Antwort auf staatlich geförderten Vandalismus“, schrieb er im Stil von US-Präsident Trump.
Smith betonte weiter: „Wir werden nicht ausgelöscht.“ Seit 2017 ziert der Regenbogen offiziell den Bereich vor Pulse, mit Genehmigung der damaligen Leitung des Verkehrsministeriums unter dem republikanischen Gouverneur Rick Scott.
Fünfter Protesttag in Folge – Polizei beobachtet Aktionen
Bereits den fünften Tag in Folge versammelten sich am Montag Demonstrierende an der Kreuzung. Sie malten die Farben des Regenbogens mit Kreide nach, nachdem Mitarbeiter der Straßenverwaltung ihn vergangene Woche mindestens zweimal überstrichen hatten.
„Wir kommen jeden Tag zurück, um ihn neu zu zeichnen, weil wir ihn nicht neu anmalen dürfen“, sagte die Aktivistin Ziggy Owen. Seitdem sind die Polizei und die Highway Patrol regelmäßig vor Ort.
Polizei räumt wegen verdächtigem Paket – nur Kreide im Karton
Nachdem ein verdächtiges Paket abgelegt worden war, mussten Beamte den Bereich am Montag kurzzeitig absperren. Der Bombenräumdienst stellte jedoch fest, dass es sich lediglich um eine Schachtel Kreide handelte.
Videos des Lokalsenders Channel 9 zeigen, wie Mitarbeiter der Straßenverwaltung am Donnerstag den Regenbogen übermalten. Seither wiederholt sich das Hin und Her: Aktivisten malen, die Behörde entfernt.
Streit über Kosten und rechtliche Grundlage
Inzwischen warnen ehemalige Vertreter der Polizei und der Straßenverwaltung vor steigenden Kosten für die Einsätze. „Das ist nicht im Budget vorgesehen und könnte teuer werden“, erklärte Joe Lopez, der frühere Chef der Florida Highway Patrol. Die Beamten verdienen zwischen 30 und 50 Dollar pro Stunde.
Orlandos Stadtkommissarin Patty Sheehan betonte, dass sich die Stadt 2017 an alle Vorschriften gehalten habe. „Ich bin wütend. Wir haben uns an alle Regeln des Verkehrsministeriums gehalten, als wir den Zebrastreifen installierten.” Laut Sheehan existiert auch ein schriftlicher Vertrag.
Drohende Strafen für neue Malaktionen
Konservative Abgeordnete machen die Aktivist:innen für die zusätzlichen Einsätze verantwortlich. „Solange man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, hören sie nicht auf“, sagte der Abgeordnete Randy Fine. Wer ohne Genehmigung den Zebrastreifen bemalt, riskiert laut der Stadt eine Geldstrafe von 500 Dollar und bis zu 60 Tage Haft.
Die Rechtsabteilung der Stadt Orlando prüft derzeit, wie der Regenbogen auf dem Zebrastreifen vor dem Pulse dauerhaft zurückkehren kann.

