HomeSzeneSteiermarkKeine queere Hütte beim Aufsteirern: Scharfe Kritik an Landesregierung

Keine queere Hütte beim Aufsteirern: Scharfe Kritik an Landesregierung

Absage der queeren Hütte beim „Aufsteirern“ sorgt für politische und gesellschaftliche Debatte – SPÖ, KPÖ, Grüne und NEOS kritisieren Druck des Landes aufs Festival.

Die Absage für die RosaLila PantherInnen (RLP) beim diesjährigen Aufsteirern-Festival in Graz zieht immer weitere Kreise. Nachdem die queere Organisation aufgrund politischer Intervention des Landes Steiermark von der Teilnahme ausgeschlossen wurde, häufen sich nun deutliche Reaktionen aus Politik und Zivilgesellschaft. Im Zentrum der Kritik: Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) und der Umgang mit Vielfalt und Teilhabe bei einem der größten steirischen Kulturfeste.

„Was ist eigentlich Volkskultur?“

Für RLP-Obmann Joe Niedermayer wirft dieses Vorgehen eine grundlegende Frage auf: „Was ist eigentlich Tradition?“ Im Absage-Schreiben des Landes Steiermark heißt es, der „volkskulturelle Mehrwert“ des Vereins sei in diesem Kontext „nicht erkennbar“. Niedermayer kontert: „Das Aufsteirern gibt es seit 2002 – uns gibt es seit 1991. Wir sind somit ebenfalls Teil steirischer Kultur.“

Die RosaLila PantherInnen wollten mit ihrem Stand ein klares Zeichen setzen: Dirndl und Lederhosen, Bratlfettnbrot, Lebkuchenherzen, Bier und Wein – eingebettet in die Handwerksmeile, ohne eigene Musik, bewusst unauffällig und traditionsverbunden. „Volkskultur lebt nicht von Ausschluss, sondern von Teilhabe, Vielfalt und Gemeinschaft”, betont Niedermayer.

Politische Reaktionen: Von „Frechheit“ bis „demokratiepolitischer Skandal“

Die Kritik am Eingreifen des Landes kommt mittlerweile aus mehreren politischen Lagern. So bezeichnete etwa Claudia Klimt-Weithaler, Klubobfrau der KPÖ im Landtag, die Absage als „Frechheit“ und sprach von einer „fadenscheinigen und diskriminierenden Begründung“. Sie wirft der Landesregierung Machtmissbrauch vor: „Das Festival wird zwar von einer Kulturagentur organisiert, doch Blau-Schwarz entscheidet offenbar trotzdem, wer dabei sein darf.“

Die Grünen-Gemeinderätin Anna Slama erklärte: „Ein Festival, das Menschen verbindet, muss auch Vielfalt leben.“ Der Druck auf die Veranstalter sei „inakzeptabel“, so die Grazer Lokalpolitikerin. Die queere Community sei selbstverständlich Teil steirischer Kultur, betonte sie.

NEOS und SPÖ fordern Kurskorrektur

Auch der Grazer NEOS-Gemeinderat Philipp Pointner übte scharfe Kritik: „Keine ideologiegetriebene Kulturpolitik auf Kosten der Vielfalt!“ Die Stadt müsse aktiv gegen Diskriminierung eintreten und dürfe sich „nicht vor illiberalen Vorgaben des Landes beugen“.

Noch deutlicher wurde der SPÖ-Abgeordnete und Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner. Er sprach von einem „demokratiepolitischen Skandal“. Für ihn ist klar: „Landeshauptmann Kunasek nutzt Symbolpolitik und Ideologie, um von realen Problemen abzulenken. Das ist beschämend.“ 

Auch die Grazer SPÖ-Gemeinderätin Anna Robosch meldete sich zu Wort: „Wer den RosaLila PantherInnen den Platz verweigert, spricht zehntausenden Menschen die kulturelle Zugehörigkeit ab.“ Die SPÖ Graz kündigte an, einen Dringlichkeitsantrag im Gemeinderat einzubringen, um die städtische Förderung des „Aufsteirern” zu überprüfen.

Kunasek: Keine Bühne für „gesellschaftspolitisch ambivalente Debatten“

Landeshauptmann Kunasek selbst reagierte auf die Debatte via Facebook. Das Aufsteirern sei eine Bühne für „Volksmusik, Tracht, Handwerk und kulinarisches Brauchtum“, so Kunasek. Es solle kein Ort „gesellschaftspolitisch ambivalenter und provokativer Debatten“ sein, sondern ein Ort der „bewussten Entpolitisierung“.

Diese Aussage sorgt für weitere Empörung. Lukas Burian, Präsident von Pride Biz Austria, hält dagegen: „Vielfalt und Respekt sind nicht verhandelbar. Sie sind die Grundlage für ein gutes Miteinander.“ Feste wie das Aufsteirern sollten Sichtbarkeit ermöglichen, nicht verhindern. Vizepräsidentin Astrid Weinwurm-Wilhelm ergänzt: „Wer Menschen ausschließt, nimmt ihnen nicht nur die Bühne, sondern auch die Anerkennung.“

Forderung nach Rücknahme des Verbots

Mittlerweile werden die Forderungen, die Entscheidung rückgängig zu machen, immer lauter. Die Debatte um das „Aufsteirern” hat damit längst die Frage nach einem Stand überschritten – es geht um Grundwerte: Wer darf Volkskultur mitgestalten? Wer entscheidet über Zugehörigkeit? Und wie viel Vielfalt verträgt ein öffentlich gefördertes Fest in der Steiermark?

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