Vor dem Landesgericht Krems mussten sich nun ein 39-jähriger ehemaliger Priester und zwei Mitangeklagte verantworten. Laut Anklage wollten sie im Sommer 2024 ein Kilogramm Crystal Meth produzieren. Der Versuch scheiterte allerdings – offenbar wegen einer fehlerhaften Anleitung. Ein vierter Verdächtiger, ein 31-jähriger Iraker, erschien nicht zur Verhandlung, weshalb das Verfahren gegen ihn abgetrennt wurde.
Der Hauptangeklagte, früher Pfarrer im Waldviertel, und die beiden 24-jährigen Tschechen bekannten sich schuldig, unerlaubt mit Drogenausgangsstoffen umgegangen zu sein. Das nicht rechtskräftige Urteil lautet auf 22 Monate teilbedingte Haft, davon 19 Monate bedingt nachgesehen. Der Mann arbeitet mittlerweile als Versicherungsberater.
Chemikalien online bestellt
Gemeinsam mit einem Mitangeklagten soll der ehemalige Geistliche im Juni und Juli 2024 zehn Liter Salzsäure, eineinhalb Liter Diethylether und drei Liter Aceton über das Internet bestellt haben. Die Lieferung wurde an eine Paketstation in Tschechien geschickt, dort abgeholt und anschließend ins Waldviertel gebracht. Dort sollten die Chemikalien zur Herstellung von Crystal Meth verwendet werden.
Laut Anklage lagerten die Chemikalien in der Pfarrwohnung des Priesters. Dort fanden auch die missglückten Herstellungsversuche statt. Nachdem der Versuch gescheitert war, lagerte einer der Komplizen die Stoffe in seiner Wohnung in Tschechien. Bei einer späteren Hausdurchsuchung wurde das Material beschlagnahmt.
„Spirituelle Krise“ und Drogenabhängigkeit
Die Verteidigerin des 39-Jährigen, Astrid Wagner, sprach vor Gericht von einer „spirituellen Krise“, die ihren Mandanten in die Drogensucht geführt habe. „Er fühlte sich in der Kirche nicht mehr zu Hause“, sagte sie. Der Mann habe zunächst Drogen konsumiert und sei dann auf die Idee gekommen, selbst welche herzustellen. Es habe sich jedoch um einen „völlig untauglichen Versuch“ gehandelt.
„Ich war damals in einer unfassbaren Lebens-, spirituellen und psychischen Krise“, sagte der ehemalige Priester in seiner Aussage. Er habe sich einsam gefühlt, an Depressionen gelitten und den Glauben verloren. „Es war das Ende der Welt.“ Der Mann erklärte außerdem, er habe seine Homosexualität verbergen müssen und sich deshalb von der Kirche entfremdet.
Eigenbau-Labor aus Verzweiflung
Der 39-Jährige übernahm vor Gericht die volle Verantwortung und sagte: „Für die Herstellung war ich verantwortlich. Meine Helfer kannten sich überhaupt nicht aus.“ Laut seiner Schilderung hatte er online recherchiert, eine Anleitung übersetzt und die nötige Laborausrüstung bestellt. Eine entscheidende Substanz habe jedoch gefehlt, weshalb das Vorhaben scheiterte.
Einer der beiden mitangeklagten Tschechen gab an, er habe aufgrund von Geldproblemen mitgemacht und auf einen Anteil am möglichen Gewinn gehofft.
Nach der Hausdurchsuchung im Pfarrhof im Juli 2024 wurde der Fall öffentlich bekannt. Der Priester kam in Untersuchungshaft, wurde aber noch im selben Jahr entlassen. Ihm drohte nach dem Suchtmittelgesetz eine Strafe von bis zu fünf Jahren.
Entpflichtung durch die Kirche
Auch kirchlich hatte der Vorfall Folgen. Die Diözese St. Pölten teilte mit, dass der Mann „umgehend von seinem Dienst entpflichtet“ worden sei. Unterstützung erhielt er dennoch von Teilen seiner ehemaligen Pfarrgemeinde, die ihm während der U-Haft Briefe schrieb und auch danach zu ihm stand.
In einem früheren Interview hatte der ehemalige Geistliche offen über seine Homosexualität, seinen Glaubensverlust und seine Drogensucht gesprochen. „Ich hatte genug von dieser ganzen Heuchelei“, sagte er damals. Heute wolle er Verantwortung übernehmen und ein neues Leben beginnen – ohne Kirche, aber mit seinem Partner an seiner Seite.

