Kanada könnte bald am Eurovision Song Contest teilnehmen. Im aktuellen Bundeshaushalt des Landes ist erstmals ein offizieller Vermerk enthalten, der eine mögliche Beteiligung des öffentlich-rechtlichen Senders CBC/Radio-Canada am ESC thematisiert. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) bestätigt, dass Gespräche laufen. Allerdings seien diese noch in einem frühen Stadium.
ESC als Plattform für kanadische Kreativszene
Am 4. November veröffentlichte die kanadische Regierung ihren Haushaltsentwurf für das Jahr 2025, in dem ein Finanzpaket über 150 Millionen kanadische Dollar für CBC/Radio-Canada vorgesehen ist. In einem Abschnitt zur kulturellen Förderung heißt es explizit, dass eine Modernisierung des Senderauftrags geplant sei, einschließlich der „Prüfung einer Teilnahme am Eurovision Song Contest“.
„Ich denke, es ist eine Plattform, auf der Kanada glänzen kann“, betonte Finanzminister François-Philippe Champagne gegenüber dem Sender Global News. Er wies auf die Bedeutung des Projekts für die nationale Identität hin: „Wir wollen unsere Souveränität bewahren, aber auch Künstlerinnen und Künstler fördern, damit sie international erfolgreich sind.“
Gespräche mit EBU bestätigt – Entscheidung steht noch aus
Martin Green, der ESC-Direktor der EBU, bestätigte dem britischen Portal ESCToday erste Gespräche mit CBC. „Das Gespräch mit CBC/Radio-Canada befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium, und wir freuen uns darauf, den Austausch fortzusetzen“, erklärte Green. Eine formelle Einladung, wie sie Australien 2015 erhielt, sei jedoch Voraussetzung für eine Teilnahme Kanadas.
CBC ist ebenso wie Australien assoziiertes Mitglied der EBU. Für eine Teilnahme am ESC braucht es daher eine Sondergenehmigung des EBU-Referenzgremiums. Australien nahm 2015 anlässlich des 60-jährigen Jubiläums erstmals am Wettbewerb teil – ursprünglich als einmalige Geste. Seither ist das Land regelmäßig dabei.
ESC-Gewinn würde Austragung in Europa bedeuten
Sollte Kanada teilnehmen und gewinnen, würde der ESC im Folgejahr trotzdem in Europa ausgetragen werden – wie auch im Falle Australiens. Der kanadische Sender CBC würde dann als Co-Veranstalter mitwirken. Ein solches Modell hat sich laut EBU bereits bewährt, beispielsweise nach dem Sieg der Ukraine im Jahr 2022.
Der kanadische Premierminister Mark Carney äußerte sich bei einem Besuch in Europa ebenfalls positiv zu dieser Idee. Kanada sei „das europäischste aller nicht-europäischen Länder“, so Carney. Er selbst lebte und arbeitete jahrelang in Großbritannien und soll die ESC-Pläne laut dem Guardian unterstützen.
Céline Dion als berühmtestes ESC-Beispiel
Eine Kanadierin konnte den ESC bereits einmal für sich entscheiden – wenn auch unter fremder Flagge: Céline Dion gewann 1988 den Wettbewerb für die Schweiz. Ihr Sieg zählt bis heute zu den bekanntesten Momenten in der ESC-Geschichte.
Ob Künstlerinnen und Künstler aus Kanada künftig direkt unter kanadischer Flagge antreten dürfen, bleibt abzuwarten. Eine Entscheidung der EBU wird nicht vor 2026 erwartet.

