Die Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“ im Wiener Künstlerhaus sorgt bei der eher unbekannten, konservativen Organisation „Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP) offenbar für Schnappatmung. In einer Online-Petition fordert die Gruppe die „umgehende Schließung“ der seit Ende Oktober am Musikvereinsplatz laufenden Schau.
Blasphemie-Vorwurf wegen künstlerischer Neuinterpretationen
Die Petition richtet sich direkt an Tanja Prušnik, die Präsidentin der Künstlerhaus-Vereinigung. Der Vorwurf: Die Ausstellung enthalte Werke, die das Christentum „verhöhnen” und „bewusst persiflieren”. Bis Freitagmittag hatten nur knapp 850 Personen unterzeichnet – das Ziel sind mindestens 2000 Unterschriften.
Die TFP, die ihren Sitz an derselben Adresse wie die Organisation „Österreich braucht Mariens Hilfe“ hat, kritisiert unter anderem das Werk „Fred the Frog Rings the Bell“ des im Jahr 1997 verstorbenen Künstlers Martin Kippenberger, welches einen gekreuzigten Frosch zeigt.
Männlich gelesene Madonna mit Kind sorgt für Empörung
Besonders empört die konservativen Aktivist:innen das Werk „I Am The Mother Too“ des bangladeschischen Künstlers Sumi Anjuman. Es zeigt eine männlich gelesene Person als Madonna mit Kind – laut Petition ein „als Muttergottes gekleideter LGBT-Aktivist“.
Zudem führt die konservative Gruppe mehrere „Parodien der Mater Dolorosa“ und Darstellungen des letzten Abendmahls ins Feld, die sie als blasphemisch einstuft. Dazu gehören auch Werke der international anerkannten Künstler:innen Irene Andessner und Johannes Rass.
In der Petition ist auch von „Pornografie und blasphemischen, erotischen Beschreibungen“ die Rede. „Gerade in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten zeigt die Künstlerhaus Vereinigung im Obergeschoss ihres Hauses mehrere blasphemische Kunstwerke, die das Christentum zutiefst beleidigen“, heißt es im Petitionstext.
Künstlerhaus setzt auf kritischen Dialog
Das Künstlerhaus weist die Vorwürfe der Religionsfeindlichkeit zurück. In einer Stellungnahme heißt es: „In Konzeption und Ausrichtung steht die Schau nicht für vordergründige Provokation oder lauten Protest, sondern für einen differenzierten Blick, für die Suche nach Gemeinsamkeiten und das Bestreben, einen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und Religion zu fördern.“
Die Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“ ist noch bis zum 8. Februar 2026 im Künstlerhaus Wien zu sehen. Sie zeigt Arbeiten von insgesamt 42 Künstler:innen, darunter Renate Bertlmann, Deborah Sengl, Irene Andessner und Johannes Rass. Diese setzen sich auf vielfältige Weise mit christlicher Bildtradition auseinander und nähern sich diesen Motiven unter anderem kritisch, feministisch oder queer.

