In Kuala Lumpur rückte die Polizei am Freitagabend mit Unterstützung der Stadtverwaltung und der islamischen Religionsbehörde der Bundesgebiete (JAWI) zu einer Razzia in einer mutmaßlich illegal betriebenen Gay-Sauna aus. Die Aktion war laut Polizeiangaben das Ergebnis einer zweiwöchigen Observation.
Insgesamt wurden bei der Razzia 203 Männer, darunter 24 Ausländer, festgenommen. Laut lokalen Medien gehörten zu den Festgenommenen auch Lehrer, Ärzte, Studenten, Polizeibeamte und 17 Bedienstete des öffentlichen Dienstes. Sieben der Männer arbeiteten direkt für das betroffene Etablissement.
Verdacht auf „homosexuelle Handlungen“
Das betroffene Männer-Spa war seit rund acht Monaten in Betrieb. Es war offiziell als Fitnessstudio und Sauna registriert, warb über soziale Netzwerke jedoch ohne explizite Hinweise auf gleichgeschlechtliche Angebote. Laut Polizeiangaben mussten sich Gäste beim Eintritt ausziehen und erhielten weiße Handtücher. In den Räumlichkeiten befanden sich ein Jacuzzi, ein Spa-Bereich und ein sogenannter „Dark Room“ mit einer Matratze auf dem Boden.
Bei der Razzia beschlagnahmten die Beamten unter anderem Kondome und Gleitmittel. Videos des Einsatzes verbreiteten sich rasch im Internet. Darauf waren Männer zu sehen, die lediglich mit Handtüchern bekleidet von Polizisten durch das Gebäude geführt wurden. Ihre Gesichter waren unkenntlich gemacht.
Die Behörden kündigten an, dem Betreiber die Lizenz für den Betrieb als Fitnessstudio und Sauna entziehen zu wollen. Der malaysische Minister für religiöse Angelegenheiten, Mohd Na’im Mokhtar, lobte den Einsatz. Es gehe darum, „unmoralische Aktivitäten zu bekämpfen”. Ziel sei ein „fortschrittliches, aber moralisch gefestigtes Malaysia“.
Weitere Razzia und Kritik von Menschenrechtsgruppen
Nur einen Tag nach dem Einsatz in Kuala Lumpur führten die Behörden im Bundesstaat Penang eine weitere Razzia durch. Dabei nahmen sie 13 Männer fest, die sich in einer ähnlichen Einrichtung aufhielten. Sie kamen für sechs Tage in Untersuchungshaft.
Die malaysische LGBTI-Rechtsorganisation Justice for Sisters (JFS) kritisierte das Vorgehen der Behörden scharf. Die Organisation warnte davor, dass solche Maßnahmen den Zugang zu Gesundheitsdiensten für queere Menschen massiv behindern würden. „Solche Polizeirazzien und Verhaftungen halten LGBTIQ davon ab, Unterstützung zu suchen“, sagte ein Sprecher der Organisation. Dadurch würden die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Bemühungen zur HIV-Prävention gefährdet.
Zahlreiche Freilassungen nach Gerichtsanhörung
Wie staatliche Medien am Montag berichteten, wurden 171 der in Kuala Lumpur festgenommenen Männer wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei einer Anhörung vor dem Amtsgericht erklärte keiner der Männer, Opfer homosexueller Handlungen geworden zu sein. Dies ist jedoch eine Voraussetzung, um Verfahren gegen andere einzuleiten. Daher konnten keine Anklagen erhoben werden.
Dennoch könnten einige der Betroffenen weiterhin nach dem islamischen Scharia-Recht belangt werden, das für muslimische Malaysier gilt und homosexuelle Handlungen unter Strafe stellt. Für Nicht-Muslime gilt in solchen Fällen das säkulare Strafrecht, das ebenfalls gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen verbietet.
Angehörige sexueller Minderheiten unter Druck in Malaysia
In Malaysia wird seit Jahren mit Nachdruck gegen gleichgeschlechtliche Lebensweisen vorgegangen. So wurden im Juni 20 Männer bei einem angeblich „illegalen Gay-House-Party“-Treffen in Kelantan festgenommen. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um eine vom Gesundheitsministerium genehmigte HIV-Aufklärungsveranstaltung gehandelt hatte.
Auch kulturelle Inhalte geraten ins Visier: Im November zog die Regierung eine Zeichentrickserie aus dem Verkehr, nachdem eine Folge mit zwei homosexuellen Vätern unbemerkt die Zensur passiert hatte.
Bereits im Jahr 2021 war bekannt geworden, dass die Regierung die Einrichtung eines „islamischen Rehabilitationszentrums” für homosexuelle Menschen plant. Homosexualität ist in Malaysia sowohl nach Zivilrecht als auch nach religiösem Recht illegal.

