Der Oskar-Kokoschka-Preis 2026 geht an Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Dies gab Ulrike Kuch, Rektorin der Universität für angewandte Kunst Wien und Vorsitzende der Jury, bekannt. Der Preis zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für Bildende Kunst in Österreich und wird alle zwei Jahre vergeben.
Jury würdigt mediale Vielschichtigkeit
In ihrer Begründung hebt die Jury die besondere Qualität der gemeinsamen Arbeiten von Knebl und Scheirl hervor. Knebl und Scheirl konzipieren „spielerisch-opulente Begehrensräume“, in denen sie Malerei, Film, Design, Sprache, Performance und Raum miteinander verbinden. Zwar verfügen beide über starke, eigenständige Œuvres, doch wird insbesondere ihre Zusammenarbeit als Duo ausgezeichnet.
Die Jury betont, dass der wechselseitige Bezug ihrer Arbeiten eine präzise, performative Weiterentwicklung von Konzeptkunst, Malerei und Installation ermöglicht. Ihre künstlerische Praxis ist medial vielschichtig und zeichnet sich durch eine bewusste Überschreitung von Gattungsgrenzen aus.
Bezüge zu queer-feministischen Diskursen
Für die Juryentscheidung ist auch die inhaltliche Dimension der Arbeiten zentral. In den Werken von Knebl und Scheirl sind laut Jury queer-feministische sowie trans* Körperdiskurse stets sichtbar. Diese Themen werden inspirierend und oft explizit verhandelt.
Laut Jury bestehen dabei direkte Bezüge zur Auseinandersetzung mit Geschlechtsidentität und Sexualität in der Moderne. Diese Fragestellungen prägten auch das Werk von Oskar Kokoschka, nach dem der Preis benannt ist. In diesem Zusammenhang sieht die Jury eine inhaltliche und historische Verbindung zwischen dem Namensgeber und den Preisträger:innen.
Jakob Lena Knebl zwischen Kunst und Lehre
Jakob Lena Knebl studierte Mode bei Raf Simons an der Universität für angewandte Kunst Wien und textuelle Bildhauerei bei Heimo Zobernig an der Akademie der bildenden Künste Wien. Heute ist sie Professorin und leitet die Abteilung für Transmediale Kunst sowie das Institut für Bildende und Mediale Kunst an der Angewandten.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen renommierten Institutionen gezeigt, darunter das mumok Wien, das Lentos Kunstmuseum Linz und das Hessische Landesmuseum Darmstadt. Knebl verbindet künstlerische Praxis mit institutioneller und pädagogischer Arbeit.
Ashley Hans Scheirl mit großer Werkschau
Ashley Hans Scheirl entwickelte nach Studien in Wien und London ein umfangreiches Werk in den Bereichen Film, Performance, Sound und Malerei. Seit Jahrzehnten arbeitet Scheirl interdisziplinär und setzt sich kontinuierlich mit Fragen von Körperbildern und Identität auseinander.
Noch bis zum 1. Februar 2026 ist im Belvedere 21 die Ausstellung „In & Out of Painting*” zu sehen. Sie gibt einen umfassenden Überblick über zentrale Werkphasen und Positionen.
Gemeinsame internationale Auftritte
Als Duo traten Knebl und Scheirl mehrfach international in Erscheinung. Im Jahr 2022 vertraten sie Österreich bei der 59. Biennale von Venedig. Es folgten weitere gemeinsame Ausstellungen, unter anderem bei der Biennale in Lyon, im Kunsthaus Bregenz sowie im Palais de Tokyo in Paris.
Der Oskar-Kokoschka-Preis, der seit 1980 vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gestiftet wird, ist mit 20.000 Euro dotiert und wird von einer zehnköpfigen Jury vergeben. Die Verleihung an Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl findet am 26. Februar 2026 an der Universität für angewandte Kunst Wien statt. Überreicht wird der Preis von Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner.

