HomePolitikInlandTrans-Text in Schulbuch: FPÖ inszeniert Kampagne gegen queere Themen

Trans-Text in Schulbuch: FPÖ inszeniert Kampagne gegen queere Themen

Ein Schulbuchtext über ein trans Kind sorgt derzeit für hitzige Diskussionen, die vor allem von der FPÖ angefacht werden. Expert:innen sehen jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. Beschwerden kamen offenbar nur von Einzelpersonen.

Ein Lesetext in einem Volksschulbuch für die dritte Klasse sorgt derzeit für Gesprächsstoff in Medien und Politik. In dem Text geht es um ein Kind namens Leo, das sagt: „Ich bin kein Bub“, und sich fortan Jennifer nennt. Während diese Passage die Schüler:innen im Unterricht kaum beschäftigte, meldete sich die FPÖ empört zu Wort – mit einer altbekannten politischen Botschaft.

Einzelne Beschwerden – große Bühne für FPÖ

Auslöser für die aktuelle Debatte ist die Äußerung von Udo Landbauer, dem FPÖ-Landeschef aus Niederösterreich, zu einem Vorfall in Wien. Er habe von der Stiefmutter eines Schülers von dem Text erfahren und sprach in einer Aussendung von „perverser und woker Propaganda“ sowie davon, dass es „irrsinnig“ sei, achtjährigen Kindern solche Inhalte zuzumuten.

Auch in der Steiermark hatten zuvor Eltern gegenüber der Krone ihre Irritation über den Text geäußert – dabei behaupteten sie, selbst nicht konservativ zu sein. Diese wenigen Stimmen reichten aus, um eine politische Debatte loszutreten.

Schulpsychologe: „Unaufgeregt damit umgehen“

Im Gespräch mit der Krone zeigte sich Josef Zollneritsch, leitender Schulpsychologe in der Steiermark, deutlich gelassener. Er sehe keinen Grund zur Aufregung: „Ich würde sagen, dass man damit unaufgeregt umgehen sollte.“ In seinem Berufsalltag sei Transidentität ein Randthema, das auch in Schulbüchern entsprechend behandelt werden könne, ohne es zu skandalisieren.

Auch das Bildungsministerium reagierte bisher zurückhaltend. Man verweist dort darauf, dass alle Schulbücher von einer bundesweiten Kommission unter Einbindung von Fachleuten geprüft werden.

Politischer Vorstoß ohne breite Basis

Dennoch versucht die FPÖ auf Landes- und Bundesebene, das Thema weiter am Köcheln zu halten. So kündigte der steirische FPÖ-Bildungslandesrat Stefan Hermann an, bei der Schulbuchkommission gegen entsprechende Inhalte vorzugehen. Schulen seien „Horte des Wissens“ und keine Orte für „Gender-Botschaften“, so Hermann.

Die FPÖ-Bildungssprecherin Ricarda Berger stellte zudem eine parlamentarische Anfrage, in der sie unter anderem wissen will, wie viele Schulbücher die Themen Geschlechtsidentität und Namensänderung behandeln. 

Debatte als Teil größerer Kampagne

Der aktuelle Fall reiht sich in eine größere politische Linie ein: In mehreren Bundesländern nutzt die FPÖ gezielt Einzelfälle, um gegen queere Themen in Schulen und Kindergärten zu mobilisieren. Bereits im November sorgte eine Broschüre der Stadt Graz, die Kinderbücher mit alternativen Rollenbildern empfiehlt, für Kritik. Auch hier bemängelten einzelne Eltern, nicht gefragt worden zu sein.

Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) stellte jedoch klar, dass es sich um freiwillige Empfehlungen handle, nicht um verpflichtende Inhalte. Ziel sei es, allen Kindern die Möglichkeit zu geben, sich frei zu entfalten – unabhängig von Geschlechterklischees.

Keine Spaltung – aber eine Kampagne

Obwohl Medien wie Heute, Krone oder Servus TV von einer „Spaltung“ sprechen, zeigt sich in der Realität ein anderes Bild: Die Beschwerden kommen meist nur von einzelnen Eltern, häufig in Verbindung mit FPÖ-nahen Medien oder direkt an die Partei gerichtet. Fachleute wie Schulpsycholog:innen oder Bildungsinstitutionen sehen dagegen keinen Anlass für Änderungen.

Eine breite Ablehnung queerer Themen, wie sie von der FPÖ dargestellt wird, lässt sich nicht belegen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier gezielt ein Kulturkampf geführt wird, um queere Lebensrealitäten aus Schulen und öffentlichen Institutionen zu verbannen.

Mehr News