Für den Berliner Aktivisten und Influencer Quang Paasch endete ein Date, das er sich am Abend des 3. Jänner über die beliebte App Grindr ausgemacht hatte, mit queerfeindlicher Gewalt. Gegen 20 Uhr wartete der 24-Jährige in der Morusstraße in Berlin-Neukölln vor einem Wohnhaus, wo ihn laut eigener Aussage vier Männer brutal überfielen. Wie Paasch in einem Video und mehreren Interviews berichtet, entpuppte sich die vermeintliche Verabredung als Falle.
Zunächst seien zwei Männer plötzlich von hinten auf ihn losgegangen. Einer habe ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, der andere habe sofort zugeschlagen. Während er noch versucht habe, sich zu orientieren, hätten sich zwei weitere Männer genähert. „Kurz dachte ich, vielleicht helfen sie mir“, erinnert sich der Klimaaktivist und Journalist. Doch auch sie schlugen auf ihn ein und hielten ihm den Mund zu, um seine Schreie zu unterdrücken. Zudem raubten sie sein Handy.
Täter beschimpfen ihn öffentlich als „pädophil“
Nachdem die Männer kurz von ihm abgelassen hatten, lief Paasch ihnen hinterher, um sein Handy zurückzubekommen. Dabei sei er erneut zu Boden geschlagen worden. In Hörweite mehrerer Kinder, die in der Nähe spielten, beschimpfte ihn einer der Täter laut Paasch als „pädophil“. Die Kinder beobachteten die Szene und stellten ihm anschließend viele Fragen. „Ich war komplett unter Schock“, sagt Paasch.
Ein Anwohner, der offenbar seine Schreie gehört hatte, eilte ihm zu Hilfe und begleitete ihn später zur Polizei. Dort erstattete Paasch Anzeige. Das gestohlene Handy wurde laut Polizei einige Meter vom Tatort entfernt aufgefunden – offenbar von den Tätern weggeworfen. Ein Sprecher der Berliner Polizei bestätigte dem Tagesspiegel , dass die Ermittlungen wegen schweren Raubs laufen. Der Fall wurde der Kriminalpolizei übergeben.
Dating-Profil gelöscht – gezielte Falle vermutet
Paasch geht davon aus, dass es sich um eine gezielte Aktion handelte. Das Profil auf Grindr, über das die Verabredung zustande kam, sei kurz nach der Tat gelöscht worden. „Entweder war es ein Account von allen vier Beteiligten oder von einem von ihnen, der die anderen dazugeholt hat“, sagte er der Berliner Zeitung . Die Person, mit der er sich treffen wollte, sei jedenfalls nie aus dem Haus gekommen – sie habe dort vermutlich nie gewohnt.
Mit Unterstützung der Polizei hofft Paasch, über die App-Betreiber an die IP-Adressen der Täter zu gelangen. Ob Chatverläufe oder Zeugenaussagen bereits ausgewertet wurden, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht kommentieren.
„Mein Vertrauen in diese Stadt ist zerbrochen“
Nach dem Angriff leidet Paasch eigenen Angaben zufolge unter den psychischen Folgen. Zwar heilen seine körperlichen Verletzungen – er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und Prellungen – langsam, doch die Angst bleibt. „Ich traue mich kaum raus und bin, wenn ich draußen bin, sehr achtsam und teilweise panisch“, sagt er.
Im Gespräch mit der Berliner Zeitung schildert Paasch eindrücklich, wie sich sein Sicherheitsgefühl seit dem Vorfall verändert hat. „Mein Vertrauen in die Gesellschaft und in diese Stadt ist zerbrochen“, erklärt er. Besonders belastend sei für ihn, dass der Angriff nicht an einem abgelegenen Ort, sondern mitten in einem Wohngebiet geschah, in unmittelbarer Nähe von spielenden Kindern.
Queerfeindliche Gewalt bleibt Realität
In einem Instagram-Video und Interviews macht Paasch deutlich, dass er den Angriff als queerfeindlich motiviert einstuft. „Das Problem sind homophobe Männer“, sagt er. Gleichzeitig betont er, dass er mit seinem Video keine rassistischen Ressentiments schüren wolle. Einer der Täter sei ein weißer Mann gewesen, so Paasch. Den Rest habe er aufgrund des Pfeffersprays nicht erkennen können.
Paasch ist nicht das erste Opfer solcher Taten. In Berlin werden immer wieder queere Menschen unter dem Vorwand von Online-Dates in Fallen gelockt. Doch selten geschehen die Angriffe so öffentlich wie in diesem Fall. „Es gibt da draußen eine Realität, in der sich 20-jährige Männer an einem Samstagabend bewusst dazu entscheiden, Jagd auf andere Menschen zu machen, nur weil sie schwul sind“, sagt Paasch.

