Der Filmemacher und Aktivist Rosa von Praunheim wurde am Dienstag auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg beigesetzt. Die Trauerfeier fand auf seinen ausdrücklichen Wunsch in aller Stille statt – ohne Reden, ohne Musik. Schauspieler und Aktivist Ichgola Androgyn trug die Urne zum Grab.
Zwar waren nur 25 Personen offiziell zur Beerdigung geladen, doch es erschienen weitaus mehr: Rund 400 Menschen kamen, um dem verstorbenen Regisseur die letzte Ehre zu erweisen. Viele weinten offen, andere verharrten still in Gedanken. Ein Kamerateam dokumentierte die Zeremonie für Rosa von Praunheims letzten Film mit dem Titel „Sex und Tod“.
Prominente Weggefährten unter den Trauernden
Zu den Anwesenden zählten zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und der queeren Community. Zu den Trauernden zählten Regisseure wie Tom Tykwer und Volker Schlöndorff, Schauspieler:innen wie Lars Eidinger, Max Riemelt und Katy Karrenbauer sowie Comic-Autor Ralf König. Auch der ehemalige Kultursenator Klaus Lederer und der SPD-Politiker Kevin Kühnert erwiesen ihm die letzte Ehre.
Die Stuttgarter Stadträtin und Clubbetreiberin Laura Halding-Hoppenheit erinnerte sich an eine mehr als 40-jährige enge Wegbegleitung. „Ich bin unheimlich traurig“, sagte sie den Stuttgarter Nachrichten: „Mit Rosas Tod ist ein Stück meiner Jugend und meines Kampfgeists gegangen.“
Ein Leben für Sichtbarkeit und Provokation
Rosa von Praunheim ist am 17. Dezember im Alter von 83 Jahren gestorben – nur wenige Tage, nachdem er seinen langjährigen Partner Oliver Sechting geheiratet hatte. Der Filmemacher galt als prägende Figur der deutschen Schwulenbewegung und des Queer Cinema. Seit den 1970er-Jahren brachte er queere Themen offensiv in die Öffentlichkeit – oft laut, unbequem und provokant.
Sein 1971 erschienener Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ wird als Wendepunkt der deutschen Schwulenbewegung betrachtet. Mit über 150 Filmen prägte er über Jahrzehnte hinweg die queere Kulturszene in Deutschland.
Erinnerungen und Humor bis zum Schluss
Obwohl bei der Zeremonie keine offiziellen Ansprachen gehalten wurden, äußerten sich viele Gäste persönlich am Grab. Regisseur Axel Ranisch sagte dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb): „Er war mein Mentor, ein Ziehpapa, ein guter Freund und ein Lehrmeister.“ Produzentin Regina Ziegler hob seine Pionierarbeit hervor: „Er hat versucht, überall Barrieren abzubauen.“
Auch Rosa von Praunheims Humor fehlte nicht – selbst im Abschied. Schauspielerin Katy Karrenbauer berichtete von einem letzten Gespräch mit ihm. Als sie erwähnte, dass sie schon lange keinen Sex mehr gehabt habe, antwortete Rosa trocken: „Wie schade für dich.“

