Ende November 2022 eskalierte die Situation vor der Bar „Mum & Dad“ in der Kieler Innenstadt. Mehrere Personen griffen eine Gruppe junger Männer an. Dabei erlitt ein 23-Jähriger mehrere Messerstiche und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Weitere Betroffene trugen leichtere Verletzungen davon. Rettungskräfte versorgten die Opfer noch am Tatort und brachten den Schwerverletzten in ein Krankenhaus.
Umfangreiche Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft Kiel hat nun Anklage gegen drei junge Männer erhoben. Wie Oberstaatsanwalt Michael Bimler mitteilte, richtet sich das Verfahren unter anderem gegen einen heute 18-Jährigen, der zur Tatzeit 15 Jahre alt war. Ihm wird ein versuchtes Tötungsdelikt in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung vorgeworfen. Zwei weitere Beschuldigte, die damals 17 Jahre alt waren, müssen sich wegen schwerer Körperverletzung verantworten.
„Die Ermittlungen haben sich als schwierig erwiesen“, erklärte Bimler. In der Anklageschrift werden mehr als 30 Zeuginnen und Zeugen aufgeführt. Ermittler durchsuchten mehrere Wohnungen, stellten Mobiltelefone sicher und werteten diese aus. Erst nach Abschluss dieser Maßnahmen sah die Behörde genügend Anlass zur Anklageerhebung.
Da die Angeklagten zur Tatzeit minderjährig waren, verhandelt die Jugendkammer des Landgerichts Kiel. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen. Ein Termin für den Prozess steht bislang nicht fest.
Möglicher schwulenfeindlicher Hintergrund
Laut Angaben der Staatsanwaltschaft fielen vor der Tat schwulenfeindliche Beleidigungen. Diese sollen sich unter anderem gegen die bunt lackierten Fingernägel eines Mannes aus der angegriffenen Gruppe gerichtet haben. „Inwiefern diese Anfeindungen tatleitend gewesen sind, muss das Gericht klären“, sagte Bimler. Bislang hat sich keiner der Beschuldigten zu den Vorwürfen geäußert.
Der Angriff sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. Kurz nach der Tat versammelten sich Hunderte Menschen am nahegelegenen Ziegelteich in Kiel. Sie demonstrierten gegen Homophobie und queerfeindliche Gewalt und setzten ein Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen.

