In der Schweiz kommt es aktuell zu einer Unterbrechung der Lieferung der oralen HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Das einzige zugelassene und erhältliche Produkt ist derzeit nicht oder nur stark eingeschränkt verfügbar. Damit fehlt vielen Menschen ein zentraler Baustein ihrer HIV-Prävention. Wie lange die Unterbrechung dauern wird, ist derzeit unklar.
Engpass trifft Tausende Anwender
In der Schweiz nehmen rund 6.000 schwule und bisexuelle Männer regelmäßig PrEP ein, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Auch trans Personen nutzen das Medikament als Teil ihrer sexuellen Gesundheitsvorsorge.
Dr. Gay, ein Angebot der Aids-Hilfe Schweiz zur Förderung der Gesundheit von schwulen, bisexuellen und queeren Männern sowie trans Personen, nimmt auf seiner Website zu der Situation Stellung. „Wir wissen, dass das verunsichert – besonders für Menschen, für die PrEP ein wichtiger Teil ihrer sexuellen Gesundheit und Selbstbestimmung ist“, heißt es dort. Man stehe jedoch in Kontakt mit den Herstellern.
Aufruf zu Solidarität in der Community
Gleichzeitig ruft Dr. Gay zur gegenseitigen Unterstützung auf. „Wenn ihr aktuell ausreichend PrEP habt und jemand in eurem Umfeld dringend darauf angewiesen ist, sprecht miteinander“, schreibt die Organisation. In der Community habe man schon immer aufeinander geachtet. Wichtig sei jedoch, dass die empfohlenen Einnahmeschemata weiterhin korrekt eingehalten werden.
Als mögliche Übergangslösung nennt die Aids-Hilfe den Bezug von PrEP im Ausland. Wer diese Option prüft, sollte sich sorgfältig informieren. „Achtet darauf, nur zugelassene Medikamente aus seriösen Quellen zu verwenden“, betont Dr. Gay. Eine eigenständige Beschaffung ohne ärztliche Begleitung berge Risiken.
Kondome bleiben wichtige Schutzmaßnahme
Wer seine PrEP vorübergehend pausieren muss oder unsicher ist, wie es weitergeht, sollte auf bewährte Schutzmethoden zurückgreifen. „Kondome schützen vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten“, erinnert die Organisation. Sie weist außerdem darauf hin, dass die PrEP selbst nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis oder Gonorrhö schützt.
Der Engpass fällt in eine Zeit, in der die Zahl der gemeldeten sexuell übertragbaren Infektionen in der Schweiz zuletzt gestiegen ist. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verzeichnete bei mehreren Infektionen Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich. Vor diesem Hintergrund hat die Schweizer Regierung im Juli 2024 die PrEP als Kassenleistung für bestimmte Risikogruppen eingeführt. Das Ziel bleibt, Neuinfektionen mit HIV langfristig weiter zu senken.
Informationen zur aktuellen Lage stellen Dr. Gay sowie regionale Checkpoints bereit. Betroffene sollten zudem mit ihren Ärzt:innen oder Beratungsstellen in Kontakt bleiben, um individuelle Fragen zur Weiterführung oder Unterbrechung der PrEP zu klären.

