HomePolitikEuropaDragqueen wehrt sich juristisch gegen AfD-Kampagne

Dragqueen wehrt sich juristisch gegen AfD-Kampagne

Nach einer Kinderbuchlesung in Freiburg sieht sich Dragqueen Dita Whip massiven Vorwürfen der AfD ausgesetzt. Nun reagiert sie mit rechtlichen Schritten und startet ein Crowdfunding zur Finanzierung eines möglichen Verfahrens.

Die Freiburger Drag Queen und Aktivistin Dita Whip geht juristisch gegen eine Veröffentlichung des AfD-Stadtverbands vor. Hintergrund ist eine Kinderbuchlesung, die Ende Februar in der Stadtbibliothek Freiburg stattfand und gemeinsam mit der städtischen Stelle für Diversity und Antidiskriminierung organisiert wurde.

Kritik an Kinderbuchlesung löst politische Debatte aus

Bei der Lesung im „Bilderbuchkino“ trug Dita Whip Auszüge aus den Kinderbüchern Disco von Frauke Angel und Julia Dürr sowie Genug gebrüllt, Löwe von Günther Jakobs vor. In beiden Werken werden laut Ankündigung Fragen von Vielfalt, Selbstbestimmung und Rollenbildern thematisiert. Die kostenlose Veranstaltung richtete sich an Kinder.

Die AfD reagierte scharf: In einem Anfang März veröffentlichten Beitrag kritisierte Stadtrat Karl Schwarz die Auswahl der Bücher. Diese würden „gegen natürliche Geschlechterrollen“ arbeiten und „politische Konzepte“ an Kleinkinder herantragen. In dem Text ist zudem von „Werkzeugen einer links-woken Ideologie“ die Rede.

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Vorwürfe und Bildnutzung sorgen für rechtliche Schritte

Dazu veröffentlichte die AfD eine Grafik, in der Dita Whip namentlich genannt und abgebildet ist. Dabei ist von „Orientierungslosigkeit“, „Entwurzelung“ und einer „Perversion der Bildung“ die Rede. Kinder müssten „frei von politischer Indoktrination“ bleiben, lautet die Argumentation.

„Meine Person sowie meine Arbeit werden mit schwerwiegenden Vorwürfen in Verbindung gebracht“, ärgert sich die Drag Queen. Das verwendete Foto sei ursprünglich zur Bewerbung ihrer Lesung gedacht gewesen. Es wurde aus sozialen Netzwerken entnommen und verändert.

„Aus meiner Sicht wurden mein Name, mein Bild und meine Arbeit in einen politischen Kontext gestellt, dem ich nicht zugestimmt habe“, so Whip. Sie sehe nicht ein, „als Feindbild in einem politischen Kulturkampf instrumentalisiert zu werden“.

AfD spricht von „Ideologie“, auch Autor:innen unterstützen den Kampf

Unterstützung erhält Dita Whip unterdessen von den Autor:innen der vorgelesenen Bücher. Diese kritisieren ebenfalls die Darstellung durch die AfD und den Umgang mit ihren Werken. Die verwendeten Buchcover seien „mittels KI stümperhaft und unerlaubt bearbeitet“ worden. „Wofür wir jedoch null Verständnis haben, sind Diskriminierung, Queerfeindlichkeit, Nationalismus, Hass und Hetze“, erklärten sie öffentlich.

Mit anwaltlicher Unterstützung leitete Dita Whip rechtliche Schritte ein, darunter eine Unterlassungsaufforderung. Die Frist zur Reaktion der Gegenseite lief bis Mittwochnachmittag. Da zunächst keine Antwort erfolgte, hält sie ein gerichtliches Verfahren für wahrscheinlich, das mit erheblichen Kosten verbunden sein könnte.

Crowdfunding für mögliche Prozesskosten gestartet

Zur Finanzierung startete sie ein Crowdfunding. Die Mittel sollen ausschließlich für diesen Zweck verwendet werden. „Nicht benötigte Gelder werden vollständig an gemeinnützige Projekte gespendet“, erklärte Whip. Auch mögliche Entschädigungszahlungen wolle sie „zu großen Teilen“ weitergeben. Das Spendenziel liegt bei 4.500 Euro, ein erheblicher Teil davon wurde bereits erreicht.

Für Dita Whip geht es in diesem Fall um mehr als nur die eigene Person. Es geht um die Frage, „ob und wie sich Menschen – insbesondere queere Menschen – gegen politische Instrumentalisierung zur Wehr setzen können“. Der Fall berührt zentrale Themen wie Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und den Umgang mit queeren Inhalten im öffentlichen Raum.

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