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HomeSportFußball„Lieb, wen du willst“: St. Pauli reagiert auf Coming-out von Trainer

„Lieb, wen du willst“: St. Pauli reagiert auf Coming-out von Trainer

U19-Coach Christian Dobrick spricht offen über sein Coming-out und benennt strukturelle Probleme im Männerfußball. Vom FC St. Pauli erhält er dafür klare Rückendeckung.

Christian Dobrick, U19-Trainer des FC St. Pauli, hat seine Homosexualität öffentlich gemacht und damit ein wichtiges Zeichen im deutschen Profifußball gesetzt. „Ich bin 29 Jahre alt und Fußballtrainer. Und warum ich hier sitze, ist am Ende: Ich bin schwul, und das wollte ich einmal gesagt haben“, sagte er in Interviews mit dem Magazin Stern und dem Sender RTL. Der gebürtige Flensburger ist damit der erste Trainer aus dem Umfeld eines Bundesligavereins, der diesen Schritt geht.

Kritik an Strukturen im Männerfußball

Dobrick verband sein Coming-out mit deutlicher Kritik. „Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische“, sagte er. Er sei „mit Sicherheit kein Einzelfall“, vermute aber, dass im Profibereich weniger schwule und bisexuelle Männer sichtbar sind als in der Gesamtbevölkerung. Als Grund nennt er den hohen Anpassungsdruck: „Weil der Druck in der Branche so groß ist, ein heteronormatives Leben zu führen.“

Der Trainer beschreibt auch den Einfluss von Sprache und Kultur im Fußball. Schwulenfeindliche Begriffe seien über Jahre Teil des Alltags geworden. Diese Bilder wirken weiter und erschweren Offenheit. Im Frauenfußball sei die Situation anders. Dort gilt die sexuelle Orientierung laut Dobrick seit Längerem weitgehend nicht mehr als Thema.

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Persönliche Erfahrungen und Belastung

Lange habe er gezögert, diesen Schritt zu gehen. „Ich war mir lange unsicher, ob ich mir mit dem Bekenntnis, schwul zu sein, nicht die Karriere verbauen würde“, sagte Dobrick. Dennoch habe er sich bewusst für die Öffentlichkeit entschieden. „Dieses Versteckspiel hat mich zu viel Kraft gekostet.“

Im Alltag habe er häufig „Wortakrobatik“ betrieben und einen „rhetorischen Eiertanz“ aufführen müssen, um sein Privatleben zu verschleiern. Diese zusätzliche Belastung habe Energie gebunden, die ihm im Beruf gefehlt habe. Seit Sommer 2025 arbeitet Dobrick im Nachwuchsbereich des FC St. Pauli; zuvor war er bei RB Salzburg, der TSG Hoffenheim und Holstein Kiel tätig.

Unterstützung aus dem Verein und prägende Begegnung

Dobrick bekommt Rückhalt von seinem Klub. In einer ersten Reaktion auf das Interview begrüßte der FC St. Pauli das Coming-out seines Nachwuchstrainers. „Als FC St. Pauli stehen wir selbstverständlich hinter ihm. Denn eigentlich ist es ganz einfach und sollte für alle gelten: Lieb‘ doch, wen du willst!”, teilte der Hamburger Verein mit. Präsident Oke Göttlich hat Dobrick zudem persönlich seine Unterstützung zugesagt.

Eine Begegnung mit Jürgen Klopp habe ihn zusätzlich geprägt. „Du kannst als Trainer sein, wer du willst, aber du musst für etwas stehen. Du musst du selbst sein“, sagte der frühere Bundesliga- und Liverpool-Coach bei einem Treffen mit Salzburger Nachwuchstrainern. Dieser Satz sei für Dobrick zum Leitmotiv geworden.

Einordnung im deutschen Fußball

Homosexualität ist im Männer-Profifußball nach wie vor ein Tabuthema. In den höchsten deutschen Ligen hat sich noch kein aktiver Spieler geoutet. Erst 2014, nach dem Ende seiner Karriere, outete sich der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger.

Dobrick betont, dass Authentizität auch für seine Arbeit als Trainer entscheidend ist. „Wenn ich von meinen Spielern Mut verlange, dann geht das nur, wenn ich auch selbst den Mut habe zu sagen: Das bin ich“, sagte er.

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