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Mehr als 1.100 Künstler:innen fordern ESC-Boykott wegen Israels Teilnahme

Ein breites Bündnis aus internationalen Musiker:innen erhöht den Druck auf die EBU. In einem offenen Brief verlangen sie erneut den Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest 2026 in Wien.

Wenige Wochen vor dem 70. Eurovision Song Contest (ESC) in Wien wächst der Protest gegen die Teilnahme Israels. Mehr als 1.100 Kulturschaffende und prominente Musiker:innen haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie zum Boykott der Veranstaltung aufrufen. Zu den Unterzeichnenden zählen international bekannte Namen wie Peter Gabriel, Brian Eno, Roger Waters und Paul Weller sowie Bands und Acts wie Massive Attack, Sigur Rós, Mogwai und Kneecap.

Prominente Unterstützung für Boykottaufruf

Auch zahlreiche weitere Künstler:innen wie Paloma Faith, Macklemore, Young Fathers oder Black Country, New Road schlossen sich der Initiative an. Unter den Unterzeichnerinnen befinden sich auch ehemalige ESC-Teilnehmerinnen, darunter die dänische Siegerin von 2013, Emmelie de Forest.

Die Kampagne „No Music For Genocide“ richtet sich direkt an die European Broadcasting Union (EBU). Sie fordert den Ausschluss Israels vom Wettbewerb und verweist dabei auf den Ausschluss Russlands im Jahr 2022 nach dem Angriff auf die Ukraine. Die Unterzeichnenden werfen der EBU eine doppelte Moral vor und sprechen von „Heuchelei”.

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Kritik an EBU und Verweis auf Russland-Ausschluss

In dem offenen Brief heißt es: „Wir weigern uns zu schweigen, wenn Israels Gewalt das Leben der Palästinenser:innen überschattet und sie zum Verstummen bringt.“ Die Künstler:innen stellen die Frage, warum Russland ausgeschlossen wurde, Israel jedoch weiterhin teilnehmen darf. Die EBU hatte damals erklärt, Russlands Teilnahme würde den Wettbewerb „in Verruf bringen“.

Die Kritik richtet sich auch gegen den Anspruch des ESC, eine unpolitische Veranstaltung zu sein. Die Boykott-Befürworter:innen argumentieren, dass diese Neutralität angesichts der aktuellen Entwicklungen im Gazastreifen nicht haltbar ist. 

Konkrete Boykottaufrufe und Rückzüge

In dem Schreiben wird ein umfassender Boykott des Eurovision Song Contest gefordert: „Solange die EBU den israelischen Sender KAN teilnehmen lässt, rufen wir Rundfunkanstalten, Künstler:innen, Crews und Fans dazu auf, den Wettbewerb zu boykottieren.“ Bereits im Vorfeld haben fünf Länder ihre Teilnahme abgesagt: Irland, die Niederlande, Slowenien, Spanien und Island.

Auch einzelne Künstler:innen äußern sich deutlich. Die irische Rap-Gruppe Kneecap erklärte: „Das ist keine Neutralität. Das ist eine Entscheidung.“ Sie kritisieren, dass Israel trotz jahrzehntelanger Gewalt weiterhin auf der Bühne steht, während Russland ausgeschlossen bleibt. „Schweigen bedeutet Komplizenschaft“, hieß es weiter.

ESC bleibt bei Entscheidung trotz wachsender Kritik

Nach einer Mitgliederversammlung hatte die EBU am 4. Dezember bestätigt, dass Israel am ESC 2026 teilnehmen darf. Die Organisation betont regelmäßig den unpolitischen Charakter des Wettbewerbs und bleibt dabei. Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck, nicht zuletzt wegen der Dimension des Events: Der ESC erreichte im vergangenen Jahr rund 166 Millionen Zuschauer:innen weltweit.

Der Eurovision Song Contest 2026 findet am 16. Mai in Wien statt. Österreich richtet den Wettbewerb nach dem Sieg des queeren Sängers JJ aus, der 2025 in Basel mit seinem Song „Wasted Love” gewann.

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