Ab Sonntag wird Wien zum Zentrum der internationalen Popmusik. Der Eurovision Song Contest beginnt mit dem traditionellen Auftritt der Künstler auf dem türkisfarbenen Teppich vor dem Rathaus. Hinter den Kulissen laufen seit Monaten intensive Sicherheitsvorbereitungen. Die Wiener Polizei steht vor einer komplexen Aufgabe, denn die derzeitige geopolitische Lage erhöht das Risiko potenzieller Bedrohungen.
Internationale Unterstützung für Wien
Dabei erhält Österreich erstmals Unterstützung aus den USA. Das FBI richtet eine eigene Taskforce ein, die während der gesamten ESC-Woche rund um die Uhr im Einsatz sein wird. „Es geht darum, Cyberangriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren“, erklärt Wiens Vize-Polizeipräsident Dieter Csefan. Die US-Ermittler helfen dabei, Hacker zu identifizieren und Bedrohungen rasch zurückzuverfolgen. IP-Adressen und Standorte lassen sich so deutlich schneller ermitteln.
In Österreich gilt derzeit die zweithöchste Terrorwarnstufe. „Das bedeutet eine grundsätzliche Gefährdung, jedoch ohne konkrete Anschlagspläne“, sagt Paul Eidenberger, Sprecher des Innenministeriums. Für den ESC gilt dieselbe Einschätzung. Dennoch erhöhen die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich.
Während der Veranstaltungswoche sind täglich mehrere hundert zusätzliche Polizisten im Einsatz. Sechs Bundesländer entsenden Kräfte nach Wien. Spezialeinheiten, Diensthunde und die Cobra sichern besonders gefährdete Bereiche und Delegationen. Einige Länder, darunter Israel, bringen eigene Sicherheitskräfte mit.
Stadthalle wird zur Hochsicherheitszone
Rund um die Wiener Stadthalle gelten besonders strenge Regeln. Die Sperrzone erstreckt sich bereits auf den Märzpark und umfasst auch die angrenzenden Grünflächen. „In der Halle gilt eine strikte No-Bag-Policy“, betont Csefan. Besucher dürfen nur kleine, transparente Taschen im Format A6 mitführen. Jeder Gast und Mitarbeiter wird kontrolliert, ähnlich wie am Flughafen.
Bereits Ende April durchsuchten Sprengstoffexperten und Spürhunde das Gelände bis in die Nacht. Seitdem ist der Zutritt nur noch mit Akkreditierung möglich. Insgesamt überprüften die Behörden rund 16.000 Personen im Umfeld der Veranstaltung.
Drohnenverbot und angekündigte Proteste
Zusätzlich gilt im Umkreis von eineinhalb Kilometern rund um die Veranstaltungsorte ein umfassendes Drohnenverbot. Verstöße können mit hohen Geldstrafen geahndet werden. Parallel dazu bereitet sich die Polizei auf Demonstrationen vor. Vor allem vonseiten der Pro-Palästina-Bewegung wurden Aktionen angekündigt, darunter eine Großdemonstration mit mehreren tausend Teilnehmern.
„Die Vorbereitung geht weit über das Übliche hinaus“, sagt Csefan. Die Kombination aus Großevent, internationaler Aufmerksamkeit und politischer Lage erfordert ein eng abgestimmtes Sicherheitskonzept, das physische und digitale Bedrohungen gleichermaßen berücksichtigt.

